25.02.2022

Briefe



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ID: 6525
Geschrieben am: Dienstag 17.03.1835
 

Dresden d. 17. März 1835
An die geehrte Redaction d. n. Z. f. M.
Angeregt durch die Einladung welche Sie an die Leser I. Z. ergehen laßen, übersende ich Ihnen Aufsätze über 2 verschiedene Gegenstände, welche ich, sobald Sie mir dieselben binnen Einer Woche nicht wieder zurück¬senden, von Ihnen angenommen glaube. Wenngleich mir bekannt, daß I. Z. kein Tummelplatz von Streitigkeiten werden soll, so habe ich dennoch hier Gegenrede unternommen weil Gordigiani’s sonderbarer Verfechter gleichsam Herausforderungen ergehen läßt.
Was nun diejenigen Städte betrifft in welchem Sie freundliche Leser I. Z. wißen, so glaube ich, daß es, alle<m> dem nach, was ich davon hörte, (unßern verehrten Spohr ausgenommen) ┌in Kaßel ┐ ziemlich öde <dort> aussehen mag.
|2| Vor längerer Zeit als Lehrer bei einer sehr achtungswerthen <F>Wiener Adelsfamilie, welche<r> <a>in Wirtemberg ländlich nieder¬gelaßen, conditionnierend, suchte ich mir so viel als möglich einen ohn¬gefähren Ueberblick zu verschaffen, und überzeugte mich, daß in Wirtem¬berg, Baden, Hessen, u.s.w. der bis auf alle <w>Volksklaßen verbreitete Sinn für Staatsangelegenheiten sich nicht gern mit der theuern Kunst zu vereinbaren <zu seyn> scheint. Sollte man glauben, daß trotz Schillern, und den lustigen Weinbergen um Stuttgardt und deßen großartigen Nater [sic], diese Stadt ein so unmußikalisches und poesieloses Publicum be¬sitzt. Wir Norddeutschen scheinen eine Ausnahme zu machen, wir küm¬mern uns um die Politica und gehen dann lustig zur Mußik. Auch unßere Rheinnachbarn, die Franzosen welche so ganz der Politik leben, sind von so unmußikalischen Wesen, und wir können, was Frankreich betrifft |3| doch nur für Musik das Kunstpublikum und deren Tillettanten in Paris annehmen. Es wäre nicht ganz uninterßant zu bemerken, daß in Oestreich u Rußland wo politische Unterhaltungen polizeilich unterdrückt ist, die Liebhaberei für Musik um desto vorherrschender.
Die beyfolgenden Exemplare meines Miserere bitte ich Sie, von mir gütigst annehmen zu wollen, und Sich beym Empfange Derselben meiner freundlich zu erinnern.
Mit aller Achtung
E. Bommer
Pirnaische Vorstadt
Neue Gasse No 172.

  Absender: Bommer, Eduard (236)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
150-152

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 1 Nr. 70
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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