15.07.2019

Briefe



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ID: 6531 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 21.03.1835
 

Berlin d 21ten Maerz 1835.
Hochgeehrtester Herr Redacteur!
Durch die Herren Marx und Schlesinger aufgefordert, Ihrer geschätzten neuen Zeitschrift für Musik einen Bericht über das bisherige Musikwesen Berlin’s seit den letzten 4 Wochen zu erstellen, bin ich so frei Euer Wohlgeboren beiliegenden Aufsatz zu übersenden. Wenn in demselben nichts übergangen ist, was die Aufmerksamkeit des hiesigen musikalischen Publikums erregte, so werden Ihnen vielleicht die bei der Enge des Raums unmöglich zu motivirenden Urtheile über mehrere neue Kunsterscheinungen auffallend sein, da sie im directen Gegensatz mit dem bisher Vernommenen stehen; sie sind indeß das Resultat ernsten, jahrelangen Studiums und unpartheiischer, reiner, umfassender Liebe zur edelsten der Künste. Wer die Coryphaeen unserer Musik recht verstanden hat, kann unmöglich anders urtheilen, und ich habe die Genugthuung in dieser Hinsicht mit H. Professor Marx und andern Musikern, die sich eines wirklichen iudicium’s erfreuen, gänzlich übereinzustimmen. Sollten Sie indeß an einzelnen Ausdrücken Anstoß nehmen, so bleibt Ihnen überlassen dieselben mit Beibehaltung des Timbré im Ganzen nach Ihrem Ermessen zu aendern. Billigen Sie die Art u Weise meiner Correspondenz, so kann ich Ihnen für die Zukunft eine bessere und umfassendere versprechen, da ich von jetzt an ex officio den Kunstleistungen folgen und meine Aufmerksamkeit schärfen werde. Was meine Capacität und Urtheilsfähigkeit anbetrifft, so bürgt für sie nebst der Empfehlung der genannten Herren der Umstand, daß ich seit 8 Jahren mit der Composition beschäftigt, bereits mehrere große Symphonieen, Sonaten, Ouvertüren, eine tragische Oper und dergl. geschrieben, von dem zwar Manches in Berlin privatim mit Beifall aufgeführt worden, doch bei dafür einen neuen unbemittelten Componisten unübersteiglichen Hindernissen noch nicht zur Oeffentlichkeit gelangt ist. Vor kurzem habe ich Herrn Hofmeister eine Sonate fis moll mit der Bitte um Herausgabe übersendet; wünschen Sie vielleicht meinen musikalischen Ton kennen zu lernen, so steht Ihnen die Durchsicht ja leicht zu Gebote. In Bezug auf das Honorar füge ich mich dem Herkommen und bin mit Zehn Thalern für den Bogen gänzlich zufriedengestellt. Da ich mir jedoch noch keinen Namen als Componist errungen und leider fortwährend in einer drückenden Obscurität verharre, so muß ich Sie um Anonymität bitten, welche Sie ja auch Ihren andern Mitarbeitern gestatten. In der Hoffnung eine längere Verbindung mit Ihnen angeknüpft zu haben, benutze ich diese Gelegenheit, Ihnen die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Achtung auszusprechen und bin
Ihr ergebenster
Eduard Foerster

Dragonerstraße No 6 a.

  Absender: Foerster, Eduard (468)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 158f.
 



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