25.02.2022

Briefe



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ID: 6543
Geschrieben am: Donnerstag 02.04.1835
 

Dresden am 2ten April 1835.
An die Redaction der n. Z. f. M.
In No 23 Ihrer geehrten Zeitschr.f. M. findet sich auf pagina 93. Zeilen¬spalte rechts, von Zeile 5 bis 10. wahrscheinlich ein Fehler; es müßte denn vor dem Worte „verhält“ das Wort „nicht“ fehlen.
Allerdings muß die <C>Urschrift des Meisters für den nur eininigermaßen [sic] Fühlenden ein warmes Intereße, u wie Sie sagen, eine wohlverdiente Heiligkeit behalten. Mit Paralellen ists nun so eine Sache. Selbst wenn der Zeichner auch nur buchstäblich vermittelst ölgedrängten Pappier ┌es ┐ eine Composition durchzeichnet, ┌wozu schon ┌an ┐ sich mehr gehört als bloses <a>Abschreiben von Musicalien ┐ um das ganze als Umriß zu besitzen, so bleibt die wirkliche Originalzeichnung immer noch in weit höherem Grade das, was mir die Urschrifft einer musikal. Compo¬sition unmöglich geben kann. In Ersterer sehe ich in Wahrheit den Geist des Meisters, nehmlich ┌lebend ┐ in der ganzen Ausführung! – Da mir im <der> Andern <nur> zwar des Meisters Hand, aber nur als todter Buch¬stab entgegentritt. Wollen wir ┌aber ┐ das Copieren im höhern Sinne neh¬men, so gleicht der Copist eines Gemäldes dem ausführenden Musiker, der beym Vortrag einer <Co> fremden Composition, der Letztern sucht dem Geist einzusaugen in welchem sie der Verfaßer schuf. In Beethovens Theorie ist irgend wo von Aufführung seiner großen Quartetten in Wien gesprochen worden, bei welcher Gelegenheit er persönlich demonstrieret hat, da!, eben da! gab es das wirkliche Originalgemälde. Wir können eben so des ┌Künstlers ┐ Ausführun<>g <Künstlers> fremder Compositio¬nen mit dem Dirigieren des Componisten oder dem Di<e>rigiren eines fremden in Vergleichung bringen. Daher sind wir armen Musiker immer schlimm drann; unßere Partituren vermodern im Tischkasten, weil es ei¬ner Menge Menschen zur Aufführung bedarf, während der Mahler nach Vollendung seines Kunstwerkes, dasselbe ruhig hinstellt und saget:
Wer Lust hat, der komm u sehe!
Hochachtungsvoll
E. Bommer
Pirnaische Vorstadt. Neue Gasse 172.

  Absender: Bommer, Eduard (236)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
155f.

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 1 Nr. 89
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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