25.02.2022

Briefe



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ID: 6551
Geschrieben am: Mittwoch 08.04.1835
 

Dressden am 8. <Merz> ┌April. ┐ 1835.
An die Redaction der n Z. f. M. # ┌dies Schreiben bezieht sich auf die in Ihrer geehrten Z. f. M. gemachte Anmerkung S. 102, unten, links. ┐
Während meinem 14 jährigen Aufenthalt im Norden habe ich 7 Jahr auf dem Lande in Weisrusland gelebt, und 7 Jahr als privatisir. Lehrer in Dorpat. Anno –33 Sept. kehrte ich nach Dreßden zurück. Niemals hielt ich mich aber in Riga auf, wo ich selbst bei meiner 5 maligen Berührung dieser Stadt nie so viel Zeit hatte, um genaue Bekanntschaften zu machen. Selbst in Dorpat hab ich nie von Jemanden von H. Dorn sprechen hören, und wie es denn öfter so ergeht, daß von ausgezeigneten Personen grade am Wenigsten gesprochen wird. Nie etwas von Dorn sprechen gehört zu haben, <v>wundert mich um desto mehr, da in Rußland das Rad des Ruhmes sehr bald ins Kollern ┌zu ┐ bringen ist.
Ich erinnere mich nur, daß vor wenig Jahren ein in Dorpat studie¬render junger Mann mir folgendes mittheilte: „Wir haben jetzt in Riga einen Musiker, der alle von den Theorethikern bisher aufgestellte Lehr¬grundsätze über den Haufen wirft.“ Ich stand wie verblüft, weil mir das nicht ganz unintreßant klang, und dachte ich selbigen Augenblick an das dabeihabende traurige Schiksal aller Octaven und Quintenjäger mit und ohne Verdekungen. Plötzlich aber trat noch andere Gesellschaft herein, welcher ich mehr und andere Aufmerksamkeit zollen musste; und da ich für Namen <te> ein miserables Gedächtniß besitze, so habe ich den des mir Erzählenden als auch den jenes Musikers vergeßen! Im Anfang Juni wo in Dorpat die Universitätsferien beginnen u 6 Wochen dauern, läuft Alles aufs Land, oder macht eine Reise nach Riga oder Reval. Ich haße alle Moden oder sogenanntes Tonmitmachen, und blieb, in jener Sommer¬zeit jedesmal eine Last von Unterrichtsstunden bei Seite legend in meinen freundlichen kühlen 4 Pfählen, froh daß Alles [um] mich her still und einsam war, und ich nicht nöthig hatte den höchst langweil[i]gen [und] Meilen weiten Weg <in S> in Sand u Staubwolken, bei der drükensten Hitze na[ch] Riga zu machen.
Ob nun nach oben genannten Grundsätzen jenes Musikers, der etwa¬nige H[err] H. Dorn derselbe ist, werden Sie am Besten beurtheilen können. Somit bin [ich] frei! und wasch meine Hände in Unschuld!
Mit aller Hochachtung
E. Bommer.
Pirnaische Vorstadt, Neue Gasse.
No. 172.
(Besonders) Ich hätte wohl gewünscht, daß <sich>Sie bei Dorpat. (Quartett v. Lipphart) aus meinen Manuscript F. David nicht vergessen hätten, der es sehr verdient erwähnt zu werden, und ein Freund, ein sehr guter Freund Mendelssohns ist. H. v. Lipharts Quartett besteht aus den Künstlern:
HH. Ferdinand David, Kudelsky, Hertmann, Gross.
1 – 2 Violine Bratsche Violoncell.

|2| An die Redaction
der neuen Zeitschrift für Musik
adresse: Herrn Buchhändler Barth.
Wohlgebohren
in
Leipzig
franco

  Absender: Bommer, Eduard (236)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
157-159

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 1 Nr. 99
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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