15.07.2019

Briefe



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ID: 6576 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 23.05.1835
 

Hochgeehrtester Herr Redacteur!
Euer Wohlgeboren übersende ich Ihrer gütigen Aufforderung gemäß den Bericht, welchen ich nach Ihrer Anweisung umgeändert, und zu dem ich dasjenige hinzugefügt habe, was sich bis Mitte Mai in der hiesigen Musik-Welt zugetragen. Ich habe mir alle mögliche Mühe gegeben sine ira zu schreiben und Alles zu vermeiden, was nach Ihrem Dafürhalten etwa eine Parthei verletzten [sic] könnte. Es ist auch niemals meine Absicht gewesen, Ihr löbliches Blatt zum Schauplatz eines Partheikampfes machen zu wollen; ich selbst gehöre keiner Parthei an, und wenn ich die Albernheiten des hiesigen Publikums und die Intriguen und Schurkereien seines vorlauten Stimmführers ahnen ließ, wenn ich die Mitglieder der Sing-Akademie bedauere, daß sie nicht nur aus der Zahl der Candidaten (Spontini, Spohr, Löwe, Mendelssohn, Rungenhagen) gerade denjenigen zu ihrem Director erwählt, welcher unter der Fünfzahl allein der Unfähige ist, sondern auch noch sogar gestehen: „wir wissen recht gut, Hr. Rungenhagen ist gänzlich unbrauchbar, gleichwohl wählen wir ihn, weil unter ihm Alles beim Alten bleibt“, – so glaube ich durch diese leise Berührung derartiger Verhältnisse mehr die Kunstpflicht umgangen, als zu viel gethan zu haben. Berlin könnte mit seinen Mitteln und seiner Bildung die erste musikalische Stadt der Welt sein; aber Philisterthum, Pedanterie, Neid, Haß, Mißgunst, Intrigue und Kabale bekämpfen wechselseitig die Realisirung dieses so schönen Zieles, und es ist dennoch sehr schwer bei der Erwähnung der hiesigen Zustände keine Satire zu schreiben. – Ich hoffe daß der Aufsatz in seiner jetzigen Gestalt nicht zu breit sein wird, da ich alles weniger allgemein Interessante fortgelassen und nur das Wichtigste erwähnt habe. Das folgende Vierteljahr dürfte sich sehr viel kürzer fassen lassen. – Von Ihrem gütigen Anerbieten, meine Sonate zu besprechen, werde ich mit Ihrer Erlaubniß späterhin Gebrauch machen. – Es wäre mir sehr lieb, wenn Sie mir gefälligst ein Exemplar Ihrer Zeitschrift wollten zu kommen lassen, etwa durch H. Schlesinger oder wie es Ihnen am einfachsten scheint. Mit der Versicherung der schuldigsten Hochachtung habe ich die Ehre zu sein
Euer Wohlgeboren
ergebener
E. Foerster.

Dragonerstraße No 6 a.

Berlin d. 23ten Mai 35.

  Absender: Foerster, Eduard (468)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 160f.
 



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