19.12.2019

Briefe



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ID: 6676 Brieftext


Geschrieben am: Montag 29.02.1836
 

Lieber Schumann!
Daß ich 14 Thaler von Dir erhalten habe quittir’ ich hiermit. Solche Verbesserungen wie Du mir jetzt angezeigt hast sind mir allerdings lieb u dank’ ich Dir dafür, ich glaubte Du wolltest sonst etwas streichen, wie im Beethoven, das dürft’ ich nicht leiden, weil ich in den 2ten u 3ten Abtheilungen auf Vieles in der ersten zurückkomme. Daß Dir der Alte Bach gefällt freut mich. Friedemann entwickelt sich erst in der 2ten u 3ten Abtheilung, komme mir nicht zu früh mit dem Lobe; die erste Abtheilung sei mein Bestes! Die Dritte ist[wohl] das großartigste was ich je geschrieben habe und vielleicht je schreiben werde. Friedemann ist übrigens historisch treu geschildert, eben so Brühl und dessen Nichte (Natalia) welche später einen Herrn von Globig heirathete, diesen Namen durfte ich nicht nennen, weil die Familie hier lebt u angesehen ist – Du erhälst nun so bald ich mit der Feile fertig bin, die Fortsetzung, zu Ostern oder nachher den Schluß; halt nur Geld parat, denn ich will – (im Ernst!) heirathen. An die Leonhardt habe ich Deinen Auftrag ausgerichtet, Sie wird Dir bald etwas senden. Nach Hering frage mich nicht, den Kerl habe ich als einen niederträchtigen Lumpenhund kennen gelernt, er hat sich hier von Dresden, weil seine schlechten Streiche bekannt wurden, drücken müssen, wo er hin ist, weiß ich nicht, kümmre mich auch nicht darum, es ist ärgerlich, wenn man findet, daß ein Kerl Talent und Kopf hat und dabei doch ein Erz-Schurke ist, ich habe den Schweinehund auf alle mögliche Weise empfohlen mich in Wien Prag, Weimar und in Leipzig bei Alvensleben für ihn verwendet. Zum Dank dafür hat er mich hier verläumdet und gethan als kenne er mich kaum – mit der Leonhardt, die ihm Geld zu seinen Reisen und [zu den] Aufführungen seiner Oratorien vorschoß, hat er’s nicht besser gemacht, in Summa: er ist ein erbärmlicher Mensch, er fahre zum Teufel! Reissiger kann Dir ausführlich von ihm erzählen, mich widerts an. Grüße doch Felix tausendmal und bitte ihn: er solle mir doch die Liebe thun, und mir was Geschriebenes von seiner Hand senden, ich hätte gar zu gern seine Handschrift. Du sendest mir doch auch einen Abdruck vom Bach? Clara sah ich, außerm Concert, nur 1 mal auf der Straße, ich kam nicht dazu ihn zu besuchen, denn Arbeit, Unpäßlichkeit, und wenn ich gesund war, meine Braut, hielten mich ab! Du irrst gewaltig, wenn Du glaubst: ich ginge noch in Wein- oder Bierhäuser, nein mein Freund das paßt auch nicht mehr auf mich.
Nun leb wohl! Dieser Brief ist ewig lang. Pixis schreibt mir sehr oft, er ist jetzt nach Hamburg über seinen Aufenthalt in Berlin könnt ich Dir ergötzliche Daten mittheilen, doch wird Barth dies wohl schon gethan haben, ist der schon wieder in Leipzig? schreib mir einmal einen recht langen leserlichen und vernünftigen Brief u. recht viel über Felix frag ihn einmal ob ers wünscht daß ich zu seinen Liedern ohne Worte Texte dichte?
Nun leb wohl Dein
JP Burmeister-Lyser

Dresden den 29/2 36.

Sr Wohlgbn
Herrn Robert Schumann
Redacteur der neuen musikalischen
Zeitung
in
Leipzig.

  Absender: Lyser, Johann Peter (995)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
701ff.
 



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