19.12.2019

Briefe



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ID: 6745 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 29.05.1836
 

Verehrter Herr!

So eben erhielt ich leider einen sehr kurzen Brief von unserm Freund D. aus Düsseldorf. Was er über das Musikfest sagt theile ich Ihnen hier folgend wörtlich mit:
„Das Fest ist über alle Erwartung herrlich ausgefallen; Paulus hat einstimmigen lauten Beifall erhalten, ja Enthusiasmus erregt. Sie glauben nicht wie sehr das Ganze noch durch die wunderherrliche Instrumentierung gewinnt. Hiernach mögen Sie nicht die wirkung schließen, die das Werk machen müßte, das wir bisher auch ohne die Instrumentierung schon bewunderten. Felix hat sich hierdurch von Neuem <einen> außerordentlichen Credit erworben. Die Aufführung war in der Hauptsache gelungen; Chor u. Orchester vortrefflich, auch die Soli im Ganzen sehr gut. Am 2ten Tage hat die Symphonie von Beethoven (N. 9 mit Chören) großen Effect gemacht; sie ging auch ausgezeichnet gut; mit 72 Geigen, 24 Bratschen, 24 Cell. u 12 Contrabässen klingt so Etwas denn doch nicht übel. Die erste Leonoren Ouverture (nämlich die ohne das Trompetensolo) welche statt der Ouvert. aus Olympia gegeben wurde ist sehr schön. Der Psalm von Haendel war etwas monoton. Davide penitente v Mozart ging gut und machte Wirkung.
Am dritten Tage wurde Einiges aus dem Paulus wiederholt; einige Arien von Mozart gesungen v. D. Grabau und dem Tenorist Schmetzer. -- Die beiden Leonore-Ouverturen und eine gewisse A moll Sonate mit Violine von Beethoven, von gewissen Leuten wieder auswendig gespielt. Unendlich mehr. Das Musikfest hat mir einen Ring zum Andenken geschenkt. Die Grabau hat sehr schön gesungen. Felix wird in den Himmel gehoben, kurz -- Leipzig hat Ehre eingelegt.“ Sie haben so wenigstens das Repertoir des Festes. Ich weiß nicht ob H. D. sein Urtheil, was er doch hin u. wieder ausspricht, gern veröffentlicht sehen würde und bitte Sie also diese Mittheilung, wenigstens in dieser Hinsicht als unter uns bleibend zu betrachten. Vielleicht nützt es Ihnen aber dennoch bei Beurtheilung andrer Nach­richten, die Sie doch bald erhalten werden.

Mit wahrer Hochachtung und Ergebenheit
Adv H Conrad Schleinitz

v. H. den 29 Mai 1836.

Sr Wohlgeb
Herrn Red. Robert Schumann
hier

[BV-E, Nr. 361:] Schleinitz. [beantwortet:] o [Versand:] d. U. [Bemerkung:] mit Notiz. [GN, NZfM V/18: 12. Juli 1836, S. 18:] Mai […] 29. Lpz., v. S.

  Absender: Schleinitz, Heinrich Conrad (1349)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (15143)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
810ff
 



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