19.12.2019

Briefe



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ID: 6795 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 09.02.1836
 

Liebster Mensch und Redakteur!
Anbei kommt an: Etwas Manuscript vom Sebastian! nemlich die erste Abtheilung meiner Triologie-Novelle „Sebastian Bach und seine Söhne“ ob Dir nun dieser „Friedemann“ so wie er ist, und ohne Abkürzung und Abänderung zusagt, ist freilich die Frage, deßhalb betrachte aber auch diese Zusendung nur als eine Anfrage, gefällt Dir die Arbeit nicht, so sende sie mir gleich zurück, da ich sie dann noch in ein Taschenbuch anbringen kann. Die zweite Abtheilung heißt Sebastians Tod, (sein Leben und Wirken in Leipzig, Friedemanns Zurückkehr ins väterliche Haus, Philipp Sebastian und Friedemann in Berlin vor Friedrich II. Sebastians Tod, Friedemann Flucht und Wahnsinn) Die dritte Abtheilung welche den Beschluß bildet, heißt „Der alte Musikant“ und stellt uns Friedemannns Tod als 78 jähriger Greis dar in Berlin wo er vergessen und in tiefster Armuth lebt – er bleibt sich gleich bis zu Ende. Diese beiden letzten Abtheilungen sollst Du zu Ostern erhalten wenn Dir diese ansteht, meine Forderung beträgt für den „Friedemann“ d. h. für diese Abtheilung; schreibe drei Stück Friedrichsd’or, nicht mehr aber auch nicht weniger, denn diese hat Winkler mir ebenfalls sogleich zugesichert und wirst auch Du mir durch Herrn Paul Musikalienhändler hieselbst, das Geld sogleich senden, denn ich brauch’ es, das kannst Du mir glauben! Thu mir also die Freundschaft und beende die Sache schnell und verdirb mir hier das Geschäft nicht durch Deine, als klassisch anerkannte Saumseligkeit. Item mach alle Briefe und Sendungen an mich unter Addresse-[Couvert] an Paul indem moncher Papa sonst das Geld in Empfang nimmt, ich es aber aus Gründen diesmal selbst in Empfang nehmen möchte. Miltitz welchem ich den Bach zeigte war außerordentlich damit zufrieden und hat mir das Versprechen abgefordert, daß ich ihn entweder ganz so, wie er ist, oder lieber garnicht abdrucken lasse – also für gute Correctur aber trage Sorge! Wieck ist hier, Clara ist sehr hübsch geworden, u da sie jetzt auch den Bach studiert, so könnt ich mich schon immer recht herzhaft verlieben, wenn mich nicht eine niederträchtige Hypochondrie erfaßt hätte so daß mir Gesellschaft, Weiber, Wein pp kurz alles jetzt Pomade ist, mein einziges Vergnügen ist nur noch mich auf ein Pferd zu setzen und herum zu jagen bis mir alle Knochen wie zerprügelt sind, damit ich nur schlafen kann, es ist ein fürchterlicher Zustand! Sende mir Geld dann will ich einmal eine Champagner-Chur versuchen vielleicht hilft mir die. – Mit Pixis correspondire ich lebhaft. Grüße Felix le Grand und sage ihm er möge doch um Gotteswillen ein paar dumme Streiche machen, damit ich [neuen] Stoff habe, sonst nehme ich ihn als Jungen und seinen alten groben Lehrer vor, und mache eine Novelle draus wie seine erste Oper aufgeführt wurde (Siehe Zelters Briefwechsel.) Ernsthaft aber, bin ich mit dem Bach fertig so geht mir schon eine köstliche neue Novelle im Kopfe rum „Gluck“ und zwar in Paris Das müßte in Frankreich Spaß machen wenn man den Kerlen, mit Hindeutung auf das jetzt zeigte was sie waren, das Vor- und Nachher werde ich jetzt bei allen folgenden Arbeiten in Acht nehmen. Nun leb wohl, mein Brief ist so unleidlich lang geworden wie meine bösen Nächte es leider sind! ich wollte ich fände hier in Natura einen 40 jährigen Pagen der mich tröstete! Eh bien, druck den Bach und sende mir Gold Gold Gold Gold Gold Gold Gold!
Dein höchst übellauniger
aber Dich dennoch herzlich liebender
J. P. Burmeister-Lyser.

Addresse: kleine Packhofgasse im Hause
der Frau von Helmond. in Dresden.

NB: Fräulein Caroline Leonhardt läßt sich Dir empfehlen sie erzählte mir, sie habe Dir eine musikalische Novelle gesandt, du habst sie aber nicht gedruckt, jetzt fragt sie an ob Dir mit Correspondenzen gedient wäre. Bitte schreib mir ein Wort darüber, damit ich ihrs zeigen kann daß ich ihren Auftrag ausgerichtet habe. –

  Absender: Lyser, Johann Peter (995)
Absendeort: o.O. [Dresden]
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
694-697
 



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