19.12.2019

Briefe



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ID: 6925 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 11.12.1839
 

Lieber Herzens Schumann.
Ich wollte eben zu Dir gehen als ich einen Brief von meiner Frau erhielt der meine schleunige Rückkehr nach Dresden nothwendig machte wodurch, was ich in Leipzig an Arbeit begonnen bis nach dem Feste unterbrochen wurde.
Es scheint nun einmal als solle mir in diesem Jahr alles contrair gehen kaum mir einmal der Himmel einen frohen Tag schenkt so führt der allezeit geschäftige Patron von der andern Seite ein Unheil herbei wovon das bischen Freude nicht aufkommen kann. Wie ich mich über den glücklichen Erfolg des Auftretens meiner Frau in Freiberg freute sahst Du als Du mich das letztemal vor Rückmanns Hause trafest. Der Erfolg ist in jeder Hinsicht Ehrender für meine Frau Geldgewinn war aber nicht dabei da aber die Bauer und Pauli aus Dresden zum Gastspiel erwartet wurden, und Langenschwarz Böringer und Richter früher in Freiberg dergestalt improvisirt hatten daß sich das große Publikum das beiläufig gesagt in dem nicht großen Freiberg nicht zahlreich ist wenig von meiner Frau versprach. Nun dachte man zwar als man sie gehört hatte bei weitem anders und v. Manteuffel Prölß, Anacker, Dörring, so wie viele angesehene Einwohner forderten meine Frau auf: eine zweite Improvisation zu veranstalten und versprachen ihr einen vollen Saal. Aber meine Frau ist mir erkrankt und in den acht Tagen daß ich sie das Erstemal sah so abgemagert daß ich erschrak und sie mindestens nicht sogleich wieder auftreten lassen werde denn das Improvisiren greift sie zu sehr an.
Ich habe jetzt den Luther für Dich vorgenommen und Du darfst sicher seyn ein so gutes Stück Arbeit zu erhalten daß Du den neuen Jahrgang Deiner Zeitschrift Ehrenvoll damit eröffnen könntest
Aber ich bitte Dich lieber Alter, sende mir was ich noch an Honorar für diese Novelle von Dir zu bekommen habe cito citissimo zum heiligen Christ, damit dieser Heilige kein Gläubiger für mich werde. Wenn Du einmal Gatte und wirklicher Vater seyn wirst so wird Dir ein ganz neues Licht darüber aufgehen, was die Weihnachtszeit für ein Ereigniss für einen Hausvater ist wie schrecklich es ist in dieser Zeit kein Geld zu haben. Wenn Du glaubst ich machte hier Spas so irrst Du gewaltig, denn zehn fehlgeschlagenene Hoffnungen, keine sichere Einnahme dabei eine kränkliche Frau, ein liebes Kind eine Amme und leider einige dringende Schulden, sieh Schatz das ist eben nichts Spashaftes zum heiligen Christ.
Ich bitte drum hilf mir meine Arbeit ists werth und ich glaube ich bins auch werth bin ich nur erst glücklich ins neue Jahr hinüber so werden mir Talent und Fleiß und der liebe Gott schon weiterhelfen und somit basta
Antworte bald
Deinem
J. P. Lyser

Dresden den 11/12 / 39

Sr Wohlgbn
Herrn Robert Schumann
Redacteur der neuen Zeitschrift für Musik.
In Leipzig

  Absender: Lyser, Johann Peter (995)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
755ff.
 



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