15.07.2019

Briefe



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ID: 6941 Brieftext


Geschrieben am: Montag 29.06.1840
 

Hochverehrter Herr Doctor!
Daß ich Sie so begrüßen darf, hat mir große Freude gemacht, und wenn ich auch einer der Letzten bin, die Ihnen ihre Theilnahme an dieser, Ihren genialen Schöpfungen und außerordentlichen Verdiensten, gebührenden Würde und Ehre weihen, so sein Sie versichert daß nur Kränklichkeit mich abhielt Ihnen die wärmsten Wünsche alsbald darzubringen. Durch Fräulein Wieck, der wir den Genuß Ihrer so geistreichen Sonate (die aber nur für einige alte eingefleischte Musikanten zu hoch war, um dieselbe so recht zu würdigen,) verdankten, erfuhr ich zu spät Ihre Anwesenheit in Berlin, um Ihnen meine Aufwartung zu machen und Ihnen persönlich für Ihr freundliches Wohlwollen danken zu können. Ich kann die Freundlichkeit nicht genug schätzen, mit der Meister wie Sie und Mendelsohn mich behandeln, und erlaube mir Ihnen die Copie eines Briefes v. Mendelsohn bei zu legen. Am 6 Juny wurde mir die Ehre, von der Königlichen Akademie die große akademische Medaille zu erhalten, welcher Auszeichnung ich unter 20 Schülern die mitarbeiteten genoß. – Noch erlaube ich mir, Ihnen ein Heft neuer Lieder zur gütigen Beurtheilung für Ihre Zeitschrift beizulegen und bitte hochverehrter Meister nur einige Worte dem zu schenken, der nie aufhören wird zu zeichnen
mit der größten Verehrung und Hochachtung
ganz ergebenster
Julius Stern
Große Hamburger Str 31.
29 Juny 1840.

Copie eines Briefes v Mendelsohn
Hochgeehrter Herr!
Von einer größeren Reise zurückgekehrt fand ich Ihre Lieder auf meinem Tische, und ich eile Ihnen zu sagen, wie sehr viel Freude Sie mir durch Ihre Compositionen gemacht haben. Seit langer Zeit habe ich nichts Neues kennen gelernt das mir so durchaus wohlgefallen hätte, in welchem ich so viel Wohlklang und liebenswürdige Melodie vorherrschend gefunden hätte. Ich weiß Ihnen kaum einzelne Lieblingsstellen zu nennen, da mir meistens die ganzen Lieder so zusagen, doch habe ich im ersten, die Rückkehr ins Tema in d dur im 2ten den Schluß, im 3ten die ganze Stimmung und im 4ten fast alles und im 6ten wieder die letzten anderthalb Seiten noch ganz besonders lieb. Sie haben mir wirklich ein großes Vergnügen durch die Zusendung dieser Lieder gemacht, und ich würde mich sehr freuen wenn ich bald ein neues Werk von Ihnen kennen lernte. Die beiden vorhergehenden werde ich mir hier verschaffen, doch bin noch mehr auf die nachfolgenden begierig: wenn Sie nicht bald etwas davon herausgeben, oder an einer größeren Arbeit beschäftigt sind, so sagen mir vielleicht in ein Paar Zeilen etwas Näheres über das, was wir von Ihnen zu erwarten haben. Möge es so fortschreiten wie dies Werk verspricht und Ihr Talent sich so schön weiter entfalten wie es glaubt und von Herzen wünscht
Ihr hochachtungsvoll ergebener
Felix Mendelssohn Bartholdy

An den Herrn J. Stern
Tonkünstler z. Berlin

Herrn Doctor Robert Schumann
Componisten und Tonkünstler etc
Wohlgeb
Leipzig
frei

[BV-E, Nr. 1606:] Mit Liedern.

  Absender: Stern, Julius (1546)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 651ff.
 



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