15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 706 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 25.06.1842
 

Leipzig, den 25sten Juni 1842.
Mein verehrtester Freund,
Einen herzlichen Gruß nach so langer Zeit wieder! So nahe war ich bei Ihnen - sogar bei Oldenburg. Aber wir mußten die Zeit zusammen nehmen und so sehen wir Sie denn vielleicht eher in Leipzig. Leider ist unsere Zierde fort - Mendelssohn - Indessen wollen wir Sie schon noch mit Musik versorgen.
Dank für alle Beiträge! Den Hegel'schen möchte ich gar zu gern. Aber, wie Sie selbst schreiben, er ist zu groß für die Zeitschrift.
Können Sie, nach dem Druck des größeren Aufsatzes, keinen kleineren für unsere Zeitschrift zuschneiden, oder sonst wie die Sache besprechen? Noch manche Themas wünschte ich von Ihnen bearbeitet. Hier einige, wie sie mir eben in den Sinn kommen:
1) Vergleichung der beiden Passionen von Bach (die Johannes scheint mir mit großem Unrecht gegen die andre zurückegestellt zu werden)-
2) Etwas [?] über Schneider als Oratoriencomponist u. Musiker überhaupt -
3)Mittel, dem Wohlstand der Musiker aufzuhelfen, es steht überall schlimm damit, noch schlimmer mit der Zukunft als der Gegenwart)
4) Hand's Aesthetik -
[verte:]
5) Neuste Kämpfe(in Berlin Meyerbeer General=Musikdirektor, in Wien Donizetti k.k. Hofkomponist)
6) Ueberschätzung der alten Musik, namentlich der Italiäner, überhaupt der Vor-Bachischen Zeit -
7) Den Theoretikern hat man von jeher zuviel Herrschaft in unserer[?] Kunst zugestanden - [?]Was sind[?] in andern Künsten Theoretiker -
8) G.W. Fink' s "mumusikalischer Lehrjammer"[recte: neumusicalischer], Buch gegen Marx (ich kenne es nicht, mache[?] Sie aber aufmerksam darauf)

Möchten Sie denn einige in Betracht ziehen? Mir fehlt es bei meiner wachsenden Productionskunst an Zeit, auch an Anderem [?]dies wie jenes[?] auszuführen. Vielleicht fruchtet meine Anregung bei Ihnen.
Daß Mendelssohn in England ist, wissen Sie wohl. Wegen Mehrausgabe seines Jugendpsalms konnte ich ihn mithin nicht fragen.
Brendel scheint sein Unternehmen aufgege[Textverlust] zu haben. Paßt Ihr Aufsatz über Hegel nicht vielleicht für den Mundt'schen Freihafen[?] Der 4händige Clavierauszug meiner Symphonie ist erschienen; vielleicht sehen Sie Sich [ihn] einmal an. Ein vollständiges Urtheil gibt er freilich nicht. Auch die Lieder aus Rückert's Liebesfrühling von mir und meiner Frau wünschte ich von Ihnen gekannt, Rückert hat uns darauf vor einigen Tagen mit einem Gedicht geantwortet, das uns sehr gefreut.
Genug für heute. Schreiben Sie bald,
oder kommen lieber!
Ihr
R. Sch.



[Rohübertragung RSF]

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Krüger, Eduard (879)
  Empfangsort:
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.