15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 72 Brieftext


Geschrieben am: Montag 28.05.1849
 

Verehrter Freund,
das beifolgende Notenstück bitte ich mit freundlichem Gruß Ihrer Frau zu übergeben und freundlich aufzunehmen. Es sind die Stücke, zu denen mir ein Buch aus Ihrer Bibliothek die Anregung gab; deshalb, und noch mehr darum, daß Sie und Ihre liebe Frau mein Streben oft theilnehmend ermunterten, seien sie Ihrem Haupt auch zugeeignet. Wir leben hier friedlich und zufrieden – und auch Arbeit gedeiht in der lieblichen Umgebung. Früh weckt uns der Gugguk, Abends rufen die Frösche zum Schlaf. Man vergißt in der Stadt ganz, daß es noch etwas anderes giebt als Menschen.
Es wäre schön, besuchten Sie uns einmal; die Vormittage sind wir meistens zu Hause, die Abende, die wir verlaufen, schon ungewisser: Ich schreibe es, damit wir uns nicht verfehlen – und Sie, wenn Sie die Abendparthie vorzögen, es uns wissen lassen möchten. Besser aber, Sie machen Sich in der Frühe auf. Es scheint die ganze Woche schön bleiben zu wollen.
Vielleicht kann auch Prof. Hübner mit, dem wir freundliche Grüße zuschicken.
Ihr
ergebener
R. Schumann.

Kreischa, d. 28sten Mai 1849.

Noch etwas aus den Makamen hab’ ich componirt – und zwar hier – das schöne Gedicht:
Verzweifle nicht im Schmerzensthal,
wo manche Wonne quillt aus Qual –
für doppelten Männerstimmenchor. –
Freundlichsten Gruß Ihnen Allen, auch den lieben Frauen, von
Cl. Sch.

Herrn
Professor Eduard Bendemann
Dresden.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Kreischa
  Empfänger: Bendemann, Eduard (174)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 58ff.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.