19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 7254 Brieftext


Geschrieben am: Montag 23.08.1841
 

Krakau d 23 August 1841
Lieber Schumann!
Sie werden sich wundern mich hier in diesem zerfallenden Rom des unseeligen Polenlandes zu finden. Ein enthusiastischer Musikfreund, Graf Mokranowski, den ich Warschau kennen gelernt hat mich von Berlin hieher entführt; er wohnt in der Nähe dieses großen polnischen Sarkophage’s, Krakau, auf einem Landsitz. Ich glaube außer Venedig kann es in der Welt keine Stadt geben, die einen so melankolischen, unauslöschlichen Eindruck auf die Seele macht wie dieses Krakau. Ich werde später meiner Brust in einem eigenen Artikel darüber Luft , u. Sie aufmerksam machen wo er gedruckt zu lesen sein wird. Für jetzt wünsche ich nicht, daß Sie meinen jetzigen Aufenthaltsort verrathen; ich habe Gründe dafür. Ihrer verehrungswürdigen, lieben Frau könnten Sie’s allenfalls sagen, die vertraut höchstens den Tasten u. da versteht Niemand so leicht. Wie geht es wohl Ihrer theuren Clara?! – Hiebei erhalten Sie nun auch einen ausführlichen Artikel über Berlin. Vielleicht erscheint Ihnen manches zu lang, aber für Berlin ist der Artikel glaub’ ich, Wort für Wort interessant u. an dem Vielgelesenwerden dieser Stadt muß dem Redacteur eines Blattes wohl immer gelegen sein. Darum streichen sie nichts Wesentliches u. lassen Sie aber tüchtig corrigiren, denn ich hab’ keine Zeit es noch einmal durchzulesen. Namentlich dürfte die Interpunktion mangelhaft sein. Nun hab’ ich eine große, wirklich dringende Bitte an Sie, u. von Ihrer Freundschaft hoffe ich um so eher Gewährung, als Sie mir schon so oft Vorschuß leisteten, wenn ich nichts zu fordern hatte, u. ich diesmal bloß erbitte, was mir zukommt! Meine arme liebe Frau u. die Kinder sind in Geldverlegenheit, wenn anders Schlesinger nicht eine alte Schuld abgetragen hat, woran ich stark zweifle. Beim Schluß des vorigen Bandes waren Sie mir nach meiner Berechnung, die Sie im Ganzen richtig befunden haben werden, circa noch 4 Th schuldig. Ich ersuche Sie nun flehentlichst diese Kleinigkeit, und das Honorar für die Beiträge in diesem Bande sobald als irgend möglich – es kann u. wird Ihnen nicht schwer werden die kleine Summe aufzutreiben – unter Adresse: Mad. Marie Truhn, Thierarzeneischulplatz No. 4 etc nach Berlin zu senden. Ich verlasse mich auf diese Güte, wie auf den Himmel u. bleibe für ewig Ihr dankbar u. freundschaftlichst ergeb und alter
F. H. Truhn.

[BV-E, Nr. 2002:] Mit desgl.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Krakau
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 867f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.