19.12.2019

Briefe



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ID: 7285 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 29.02.1840
 

Asch in Böhmen. 29 Februar 1840.

Lieber Herr Schumann!

Nachdem meine Tochter seit dem Ableben ihres Mannes wieder in ihre früheren Verhältniße (nehmlich ins elterliche Haus) zurückgekehrt ist und sich, wie früher, wieder der holden Musik mit alter Liebe zugewandt hat, so ist auch in mir wieder der alte Sinn für Musik rege geworden, wenn ich auch weder praktisch noch theoretisch mehr etwas leisten kann noch mag. Ihre neueren Compositionen, die uns durch ihre Güte zugekommen, haben meinen ganzen Beifall, auch das Allegro, meiner Tochter gewidmet, fängt jetzt an, mehr Interesse für sie zu bekommen, da sie jetzt erst den tiefern Sinn aufgefaßt hat. Gern möchte ich mich oft hier mit Jemanden über Musik unterhalten und meinem vollen Innern Luft schaffen, allein es findet wenig Anklang in unserm täglichen Vereine, und Gleiches zu Gleichem findet sich nicht immer, darum schweige ich lieber. Ein Exemplar ihrer Musik. Zeitschrift von 1840. möchte ich wohl durch Hrn. Müller in Adorf hierher beziehen, so unsicher auch der Weg von Adorf nach Asch der Gränze wegen ist. Auch möchte ich wohl etwas Neues von Musik, jedoch früher ihr kompetentes Urtheil, da ich nur klassische Werke will und Modewaare haße; seit 1835 bin ich sehr in musik. Hinsicht zurückgeblieben; Vor allem wünsche ich ihre [sic] Composition über mein Thema, von welcher mir meine Tochter immer sagt und dann vorzüglich, daß Sie Letztere in guter Lust für die Musik möglichst erhalten, was Ihnen als Freund viel leichter als mir als Vater, ist. Sapinti Sat. – Was Sagen Sie zu Weyse’s Allegro di Bravura, Moscheles gewidmet, wir haben es, jedoch wollen mir die zahllosen Zweyunddreyßigstel nicht gefallen. Chopin’s Conzert hat meine Tochter durch Herrn Grau in Hof verschrieben, es soll sehr schön, aber auch sehr schwer seyn; deßen Trio ist ganz nach meinem Herzen. Was sagen Sie zu deßen neue Charakterische, glaube ich, Studien? Moscheles’s Studien, seinem Lehrer Weber gewidmet, besitzen wir. Chopins erste Studien besitzen wir auch, und gehen, a la Clara, extra gut. Wo ist Clara jetzt? Wir hofften sie während dem Winter hier bey uns zu sehen. Lißt wird seit 18 dieses in Prag erwartet, und Sie erwarten ihn auch in Leipzig, wie ich höre. Was sagen Sie zu Dreyschock (ein Prager) und Thalberg (ein Wiener); ich kenne alle diese Clavier-Virtuosen leider nur aus Schillings Lexikon der Tonkunst und aus den öffentlichen Blättern; alles was meiner Zeit angehörte, ist entweder schon Todt oder doch wenigstens alt und außer Cours. –
Wie stehen Sie mit Clara? Ist denn der alte Wieck noch immer so hartnäckig? Was mag ihn so in Harnisch gebracht haben, indem er früher (1834) so sehr von Ihnen begeistert war und seine Tochter quasi nur für Sie erzog. Doch Alles wird sich noch zum Guten wenden, nur Muth und Geduld! Ich beschäftige mich seit meiner unglücklichen Krankheit viel mit Geographie und Statistik und stehe mit Volger in <>Lüneburg und Hahn in Hannover in stetem Verkehr, außerdem lese und schreibe ich viel, allein Dichten und Componiren hat schon länger ein Ende. Hiermit wünsche ich Ihnen ein herzliches Lebewohl und hoffe das Beste von Ihnen zu erfahren.
Ihr aufrichtiger Freund.
von Fricken, Hptmann.

Seine Wohlgeboren
Den Herrn Herrn Robert Schumann.
Redakteur der neuen Musikalischen Zeitschrift
zu
Leipzig.


[Beilage bb]
bb.
Maatschappij tot Bevordering der Toonkunst
IN NEDERLAND.
_____________
DE MAATSCHAPPIJ TOT BEVORDERING DER TOONKUNST hare belangen aanbevelende aan den Heer R Schumann te Leipzig heeft nit kracht van Art. 16 van het Reglement harer instelling Zijn Ed. benoemd tot CORRESPONDEREND LID, en daarvan dit Diploma afgegeven.
Rotterdam den 31 Augustus 1837
Van wege het Hoofdbestuur der Maatschappij thans
alhier gevestigd,
Frets.
President.
R T Brem
Secretaris.
De Algemeene Secretaris der Maatschappij, A. C. G. Vermeulen
Rotterdam den 31 Aug. 1837.

  Absender: Fricken, Ferdinand Ignaz von (489)
  Absendeort: Asch
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 19
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1828 bis 1878 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2018
ISBN: 978-3-86846-029-2
416-421
 



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