19.12.2019

Briefe



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ID: 7396 Brieftext


Geschrieben am: Montag 06.12.1841
 

Es schläft die Flur in Nebelträumen ein,
Die Blüthe starb, der Auen Grün verbleichet,
Das Lied verklang in dem entlaubten Hain,
Sein Sängerchor der rauhe Nord verscheuchet;
Im Freien ist die Melodie verklungen,
Die unsre Brust mit süßem Reiz durchdrungen.
Des Lebens Prosa dringt sich auf als Gast,
Zieht um das Herz voll Sehnsucht eis’ge Fäden;
Das Einerlei wird ihm zur trüben Last,
Das Reich der Töne ist sein himmlisch Eden,
Von seinem Zauber fühlt er sich erhoben,
Doch was ihn freut, hat die Natur zerstoben.
Und ob Natur die Töne uns entführt,
Schafft sie ein holder Genius uns wieder;
Wenn Clara’s Hand der Tasten Heer berührt,
Schwebt aus der Sphären Himmelslaut hernieder.
Mit Sturm und Säuseln zaubert sie das Schöne
Uns in das Herz durch ihre süßen Töne.
_________________________
Nach dem Concert am 6. Dezember 1841.
Anschütz.


  Absender: Anschütz, Ernst Gebhard Salomon (101)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 19
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1828 bis 1878 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2018
ISBN: 978-3-86846-029-2
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