19.12.2019

Briefe



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ID: 7484 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 12.09.1895
 

Interlaken d. 12 Septbr. 1895.
Dr. Aemmer Lindengarten.
Lieber, verehrter Freund,
darf ich Sie denn noch so nennen? die Frage drängt sich mir auf, wenn ich bedenke, daß Sie mir nie ein Wort von Ihrer Wieder-Vermählung geschrieben, wo Sie doch annehmen konnten, daß ich es nur als ein freudiges Ereigniß ansehen mußte, wenn Sie wieder eine treue Lebensgefährtin gefunden. Konnte ich Sie mir doch nie ohne Wehmuth allein denken, der Sie so viele Jahre hindurch das innigste, geistige Zusammenleben mit Ihrer theueren Frau genossen hatten. Gewiß leitete Sie bei diesem Schritte auch der Gedanke, daß Sie im Sinne der Verstorbenen, die eine so edle, großdenkende Seele war, und die wahre Liebe zu Ihnen trug, handelten.
Durch Frl. Remy gelang es mir endlich zu erfahren, wo Sie sind, und so nehme ich als sicher an, daß Sie in Schönefeld den Tag verbringen in stillem wehmüthigen Genusse des neu gefundenen Glückes.
Mögen Sie gesund bleiben, lieber, verehrter Freund, das ist der innigste Wunsch
Ihrer
treu und altergeb
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Lazarus, Moritz (916)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
356f.
 



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