19.12.2019

Briefe



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ID: 7488 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 14.09.1886
 

München d. 14 Septbr. 1886.
Lieber, verehrter Freund,
wie war es so gut von Ihnen, daß Sie mir inmitten Ihrer Erholungszeit selbst schrieben. Solche Güte hatte ich wahrlich nicht erwartet, und drücke Ihnen herzlich dankend die Hand dafür. Den morgenden Tag, hoffe ich, bringen Sie bei Ihrer lieben Frau zu, und feyern ihn zusammen, Beide erfrischt von der letzten schönen Sommerszeit noch! – Möchten Sie die liebe Gattin besser wiedergefunden haben, als Sie sie verließen. Jetzt, wo sie Sie gekräftigt wieder hat, wird sie sich der überstandenen Trennung freuen. Möge der Himmel Ihnen nur Gutes bringen, nächstes, u. alle Jahre die folgen, und Sie Beide mir Ihr Wohlwollen bewahren, das mir ein so theueres Besitzthum war, seit ich die Freude habe Sie zu kennen. Ich habe meinen Geburtstag, d. 67ten, gestern hier gefeyert, u. bleibe noch 10–12 Tage hier, da Hildebrand meine Büste in Marmor hier vollenden will. Marie, unsere liebe Hausbeschützerin, und sonstiger Schutzgeist, ist nach Haus gereist, um Alles zu ordnen. Wir hatten schließlich Mißgeschick, gingen bei dem regnerischen Wetter von Berchtesg. fort nach Meran, um, Wärme, zu genießen, bekamen sie dort aber in solchem Maaße zugetheilt, daß wir schier zu verzweifeln glaubten, u. in’s Pusterthal flohen, wo es herrlich frisch war, wir aber nur noch vier Tage bleiben konnten, weil ich hier erwartet wurde. Leider geht es mir mit dem Rücken gar nicht gut – es wird wohl nicht viel mehr werden mit mir! –
Leben Sie wohl, und nehmen Sie Beyde die innigsten Glückwünsche von
Ihrer
alten
Clara Schumann.

Marie u. Eug. vereinigen ihre warmen Wünsche m. d. meinen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: München
  Empfänger: Lazarus, Moritz (916)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
303ff.
 



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