15.07.2019

Briefe



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ID: 7578 Brieftext


Geschrieben am: 02.03.1838
 

Er [Vater Wieck] gab mir seine Einwilligung und schrieb sie in mein Tagebuch. Ich bleibe Dir, das weißt Du, doch das wichtigste hab ich Dir noch nicht gesagt. In Leipzig entschließ ich mich durchaus nicht zu leben unter diesen Umständen. Bedenke, leiber Robert, in Leipzig kann ich durch meine Kunst nicht einen Dreyer verdienen, und auch Du müßtest Dich zu todt arbeiten um das Nöthige was wir brauchen zu verdienen. Das würde Deinen Geist niederdrücken und um mich? das ertrüge ich nicht. Nein, lass es uns machen wie ich Dir sagen werde: Wir ziehen hieher [nach Wien] oder Du gehst vorher [hieher], giebst Deine Zeitung an Diabelli, Haslinger (eine sehr honette Handlung)oder Mechetti ein junger rüstiger unternehmender Mann. Erstlich wird Dir Deine Arbeit hier noch einmal so gut bezahlt, zweitens bist Du [hier] sicher weit mehr anerkannt und geachtet als in Leipzig und drittens, welch angenehmes billiges Leben ist hier, natürlich verhältnismäßig zur Größe der Stadt. Welch schöne Umgebungen! und dann bin ich gleichfalls hier weit mehr angesehen als in Leipzig, eingeführt bei dem höchsten Adel, beliebt bei Hofe und beim Publikum. Jeden Winter kann ich ein Concert geben welches mir 1000 cf trägt, (mit Leichtigkeit) bei den hohen Eintrittspreisen die man hier hat und bei den Bekanntschaften, wo ich zuweilen in einer Soiree spiele und die dann ihre Billets doppelt bezahlen. Dann kann ich, will ich, jeden Tag Stunde geben, das trägt wieder das Jahr hindurch 1000 cf und Du hast 1000, was wollen wir mehr? Auch ist es bei meinen Connectionen die ich bereits schon gewonnen nicht unwahrscheinlich, daß Du bald eine Stelle vielleicht die eines Professors der Musik erhielst [sic]. Mit einem Wort, wir können hier das glücklichste Leben führen, während wir in Leipzig nur verkannt sind und Leipzig auch keine Stadt ist wo ein Geist wie Du bestehen kann sondern wo Du nur ­ in Sorgen leben würdest und [D] wo Du mich auch nicht immer lieb behalten könntest, denn Du würdest des Lebens überdrüßig werden.


RSA VII/3/3,2, S. 162-163 [gek].
Zit. nach: Briefwechsel, I. S. 109.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Wien
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: I.4, S. 240ff.
 



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