25.02.2022

Briefe



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ID: 7746
Geschrieben am: Mittwoch 09.10.1878
 

Frankfurth d. 9 Octbr. 78
32, Myliusstrasse.
Liebste Frau Volkland,
ich wollte Ihre lieben Briefe so gern eigenhändig beantworten – Sie sehen oben die Vorbereitung – aber ich darf es doch nicht meinem Arm zumuthen! – Wir haben lange nichts von einander gehört, währenddeß eine traurige Zeit verlebt u. noch immer sind wir großer Sorge anheim gegeben. – Marie schrieb Ihnen wie schlecht es mit Felix ging, und noch immer ist es nicht besser. Bis Mitte September ist Eugenie mit ihm in Falkenstein, wo wir wenigstens die Beruhigung haben, daß er so ausgezeichnet verpflegt ist, wie es nur möglich ist. –
Vor Allem, liebste Frau Volkland, |2| lassen Sie mich Ihnen für Ihren lieben Brief zu meinem Geburtstag danken, sowie auch für die Depesche – Beides hat mich herzlich erfreut.
Wie so manches möchte ich Ihnen erzählen, es führt aber brieflich zu weit u. ich hoffe, daß wir uns doch diesen Winter einmal sehen. – Sie sprachen davon, daß Sie uns ’mal hier besuchen wollen, was uns eine große Freude sein würde. Am liebsten lüde ich Sie schon gleich ein, aber augenblicklich wissen wir noch gar nicht wie es mit Felix wird. Derselbe will nämlich durchaus nach Haus, u. weiß ich nicht ob es uns gelingen wird ihn davon abzubringen, da wir ihm eine Menge Vortheile, die er dort hat[,] nicht schaffen können.
Unbedingt abschlagen mag ich ihm aber seine Bitte nicht und nehmen wir ihn |3| nach Haus, so ist es natürlich unmöglich Jemand bei uns aufzunehmen, denn wir müssen für ihn auch gleich einen Wärter annehmen. Sie sehen aus Diesem welch’ schwerer Zeit wir entgegen gehen. – Sie können denken wie schwer mir unter diesen Umständen der Beginn meiner Thätigkeit hier wird, und dennoch empfinde ich doch auch wieder jetzt wie diese mich abzieht, wenn auch nur momentan.
Eine große Erfrischung war mir neulich eine Reise nach Hamburg, wo ich spielte u. bei Gelegenheit des dort stattfindenden Festes eine seltene Vereinigung von Künstlern fand. Darunter Gade u. Verhulst, mit denen ich so recht in früheren Leipziger Zeiten mich ergangen habe. – Brahms dirigierte seine Sinfonie, die der Glanzpunkt des ganzen Festes war.
Auf Ihre Anfrage wegen meines Kommens nach Basel habe ich Ihnen noch nicht geant-|4|wortet; – das wird mir aber etwas schwer. Es ist jetzt nicht so leicht für mich von hier wegzugehen da ich meine Stunden doch gern nachgebe. – Ich kann daher kein Engagement unter 600 Mark mehr annehmen, u. da Ihr Mann mir voriges Jahr schon sagte, daß man das in Basel nicht haben würde, so werde ich wohl auf die Freude Sie dort zu sehen verzichten müssen. – <>
Sie werden mir glauben wie leid mir dies thut, denn wo ginge ich wohl lieber hin als gerade zu Ihnen. – Mein Sekretair treibt zum Schluß, da sie eben abgerufen wird u so füge ich nur noch meine allerherzlichsten Grüße an Sie u. Ihren lieben Mann bei, dem sich Marie anschließt.
Ich denke oft an Sie lieben Beiden, das mögen Sie glauben
Ihrer treu ergebenen
Clara Schumann.
Lassen Sie mich bald ’mal hören, wie Sie leben, ob Sie recht munter sind? Haben Sie Ihr Magenleiden verloren?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Volkland, Henriette (1640)
  Empfangsort: Basel
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
274ff.

  Standort/Quelle:*) D-F, s: Autogr. K. Schumann, Nr. 48
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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