25.02.2022

Briefe



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ID: 7826
Geschrieben am: Freitag 10.08.1883
 

Vordereck d. 10ten Aug. 1883.
Liebe Frau Volkland!
Zwei liebe Briefe von Ihnen liegen vor mir unbeantwortet; ich hatte aber so viele nöthige Arbeiten zu erledigen, dass Sie mich entschuldigen werden, wie Sie es ja schon oft gethan. Ich glaube, Sie haben sehr recht gethan diese letzten 4 Regenwochen, die doch wirklich entsetzlich waren, in Ih¬rem behaglichen Heim zuzubringen. Hier oben ist es wundervoll, aber natürlich konnten wir immer nur Stunden geniessen, während wir im An¬fang, wo es noch schön war, den ganzen Tag im Wald sitzen konnten. |2| Für Ihren lieben Mann wäre es hier oben aber nichts; er hätte zu wenig Abwechslung gehabt, und es ist für das Amüsement der Gäste auf keine Weise gesorgt.
Sehr begierig bin ich zu hören, wohin Sie gegangen sind?
Ich lege diesem Briefe wieder eine Sendung an Ihren Mann bei; vielleicht dass er gerade jetzt Zeit findet zur Durchsicht. Die Rücksendung bitte ich ihn, da sie voraussichtlich nicht vor Sept. stattfinden wird, nach Baden-Baden, Villa Strohmeyer, zu richten; dort ist meine Elise mit Familie u. wir gehen auch dahin. Sie werden gewiss Theil |3| nehmen an unserer Freude, dass mein Schwiegersohn ein Gut 15 Minuten von Frankf. entfernt, gekauft hat; sonach bleiben sie denn also in unserer Nähe.
Denken Sie, dass ich nun doch dem Eglinger für December abschreiben muss. Ich hatte doch einige Verpflichtungen (in Barmen u. Utrecht) seit Jahren auf mich genommen u. muss denselben jetzt nachkommen. Vielleicht könnte ich nach Weihnachten zu einem Concerte nach Basel kommen, wenn es sich einrichten liesse? Ich werde durch das Versprechen an Joachim besonders lange von Frankf. fern gehalten, und |4| kann daher nicht gleich wieder 8 Tage fortbleiben, worunter es doch nicht geht, wenn ich 2 Mal spiele.
Ich hoffe mein Paquet wird Ihnen nachgesandt.
Schließlich noch herzlichste Grüße, liebe Frau Volkland, Ihnen und Ihrem lieben Manne, und Letzterem Dank, daß er mir noch weiter helfen will.
Getreu Ihre
Clara Schumann.
Lassen Sie mich bald von sich hören, bitte! –
Die Kinder grüßen schönstens.
Ich sende den Brief extra damit Sie Ordre geben können, daß man Ihnen mein Paquet schickt – daher lasse ich Dieses auch erst morgen abgehen.
Herzogenbergs sind in Klobenstein – Er kommt Ende Aug. wieder wegen seines Haus-Baues hierher. Sie geht zu ihrem Vater dann. Der alte Onkel liegt eigentlich im Sterben – sie haben traurige Zeit dort, u. nun noch dazu das Wetter! –
[Umschlag]
Frau Musikdirector
Henriette Volkland.
in
┌Moschach
ob Brunnen┐
<Basel>
(Schweiz.)
<Domhof.>

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Vordereck (Obersalzberg)
  Empfänger: Volkland, Henriette (1640)
  Empfangsort: Basel
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
422ff.

  Standort/Quelle:*) D-F, s: Autogr. K. Schumann, Nr. 120
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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