19.12.2019

Briefe



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ID: 8036 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 22.10.1840
 

Leipzig, d. 22 40
10
Nur einen schönen Gruß lassen Sie sich, lieber Herr Doctor sagen, und mich Ihnen als junge Frau vorstellen. Ja! endlich haben wir denn unser höchstes Ziel erreicht, und genießen ein großes Glück. Wir lieben Einander täglich mehr, und leben nur für Einander. Sie waren und immer ein so theilnehmender Freund, daß ich auch jetzt mich Ihrer Theilnahme versichern zu können glaube.

Lange hörten wir nichts von Ihnen, nicht einmal weiß ich, ob Sie noch in Jena sind? Sie reisten so schnell und schnurstracks von Weimar fort, daß wir es gar nicht glauben konnten, als wir es hörten; Ihren Abschied da am Schloß hatte ich nur für einen Spaß gehalten. Wer weiß, was in Sie gefahren war - ich will es nicht zu ergründen suchen.

Wir haben jetzt viele musikalische Genüsse, daß es ein wahres Wonneleben ist. Vergangene Woche war Moscheles hier, dem zu Ehren Mendelssohn im Gewandhaus und David, Kistners [über der Zeile eingefügt:] etc: und Wir in unseren Behausungen Soiréen gaben. Es war ein tolles Treiben, fast alle Tage etwas Anderes. Nun ist er fort und man erwartet Ole Bull, [gestr.: den] auf den ich sehr begierig bin; er ist ein Künstler über den die verschiedensten Meinungen herrschen. Unsere Gewandhausconzerte haben auch begonnen, und uns schon zwei herrliche Symphonien, die Eroica und 4te von Beeth[oven] gebracht - heute giebt es eine Mozart'sche. In der Soirée von Mendelssohn (Moscheles / zu Ehren) wurde unter anderem das Tripel-Concert von Bach aufgeführt, von Mendelssohn, Moscheles und mir. Es machte sich schön, und Sie, wären Sie hier gewesen, hätten gewiß Einen der aufmerksamsten Zuhörer abgegeben. Nicht wahr?

Lassen Sie uns bald von Sich und Ihrer ganzen lieben Familie hören! ist Pauline in Erfurth? ziehen Sie von Jena fort? gab es wohl Musikalisches bei Ihnen in Jena? Hiervon und noch Vieles schreiben Sie uns, Darum bitte [ich].

Grüßen Sie Alle, insbesondere Ihre theure Gemahlin und gedenken Sie in alter und neuer Freundschaft
Ihrer
Freundin
Klara Schumann
"Inselstraße No: 5, erster Stock."
D.23

Mein Mann sagt mir soeben, daß er durchaus dieser Tage keine Zeit findet Ihnen zu schreiben, und für Ihr letztes freundliches Schreiben zu danken. Er grüße Sie herzlich und schreibe Ihnen nächstens. Der arme Mann hat immer viel zu thun, und der Abhaltungen so viele. Entschuldigen Sie ihn.
Noch einen Gruß! -

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Keferstein, Gustav Adolph (797)
  Empfangsort:
 



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