25.02.2022

Briefe



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ID: 8055
Geschrieben am: Dienstag 22.03.1842
 


Kopenhagen d, 22/3 1842
Dienstag Abend

So nehmen Sie denn, lieber Herr Avé, meine ersten und schönsten Grüße aus Kopenhagen, und sogleich die Gewißheit, daß wir glücklich hier angelangt. Wir hatten eine gute Fahrt, und, was sie nicht denken werden, wir blieben verschont von der Seekrankheit. Fr. Garlichs hatte keine Idee von Unbehagen, ich dafür um so mehr, denn viel fehlte nicht, daß ich seekrank wurde. Spaßhaft war es anzuschauen, wie wir noch einen Tag lang umhertummelten, als wären wir auf dem Schiff. Die See war schön, in der Nacht grausig schön, daß Wetter regnerisch, aber gar nicht stürmisch. Gott, wie war mir aber zu Muthe, als das Schiff vom Land abstieß, davon haben Sie keinen Begriff. Es war mir, als trennte ich mich zum zweiten Male von meinen Lieben, und nur eine völlige Ergebung in das Geschick konnte mich besänftigen. Wäre ich nur schon wieder glücklich in Hamburg! |2|
Kopenhagen ist eine schöne Stadt, und liegt doch herrlich, so unmittelbar an der See, wie ich es mir immer gewünscht zu sehen. Alles empfing mich mit offenen Armen und bemüht sich uns Aufmerksamkeiten zu erweisen. Olsen kam sogleich an Bord des Schiffes in Begleitung mehrerer Andere. Den alten Veteran Weißek lernt ich auch schon kennen, desgl Professor Hejberg, berühmten Schriftsteller Andersen auch, und so fehlt es denn nicht an Zerstreuung aller Art, derer ist aber auch bedarf, soll nicht die Sehnsucht mich übermannen.
Mein erstes Konzert wird Dienstag d. 29 oder Donnerstag d. 31 im Hoftheater statt finden, denken Sie an mich!
Die Pianoforts sind hier nicht besonders, und ich habe bereits an Granz wegen Sendung des Meinigen geschrieben. Ich bat ihn den Flügel noch bis Sonnabend nach Kiel zu befördern – möglich ist es, wenn er gleich dazu gethan hat. Ich schrieb ihm aber zugleich, daß, wenn ihr Flügel nicht bis Samstag hier seyn könnte, er mir erst Meldung thun möchte, und bitte Sie nun dringend, so bald als möglich zu Granz zu |3| gehen, und ihn zu sehen, daß er den Flügel jedenfalls schicken möchte, später oder eher ist gleich. Olsen will ihn in jedem Falle hier behalten. Bitte, lieber Herr Avé, thun Sie daß, Sie leisten mir einen Dienst.
In 14 Tagen denke ich besprechen zu können, wann ich wieder in Hamburg bin, und schreibe ihnen dann.
Für jetzt nehmen Sie herzliche Grüße von uns, sagen Sie Ihrer lieben Frau viel Schönes von uns, und gedenken Sie immer und in aller Zukunft hinaus freundlich
Ihre Clara Schumann.

Ad: Die Eile muß diesen, etwas confusen Brief entschuldigen.
Haben Sie Ihren Bruder wegen eines, etwa an mich gekommenen Briefes, geschrieben?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Kopenhagen
  Empfänger: Avé-Lallemant, Theodor (121)
  Empfangsort:

  Standort/Quelle:*) D-DÜhh; s: 55.17
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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