25.02.2022

Briefe



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ID: 8086
Geschrieben am: Montag 04.07.1842
 

Leipzig d. 4//7 1842
Heute, meine liebe Emilie, schreibe ich Dir nur sehr kurz, und blos in unserer, Du nennst es Geschäfftsangelegenheit, ich möchte es aber lieber Herzensangelegenheit nennen. Du kannst Dir ja wohl denken, daß ich mit Niemand, außer Robert, so gern reisen möchte, als der Freundin, die mir so nahe am Herzen liegt, doch es geht nicht, und so fügen wir uns. Der Grund ist nur Einer, aber der ist auch gewichtig. Kaum 2 Monate bin ich von Kopenhagen zurück und soll mich auch schon wieder von Mann und Kind trennen? Nur ein Weib und eine Mutter begreift solch einen Schmerz, und so wäre dies Opfer wirklich ein zu Großes für das, was dadurch erlangt wird. Doch ich hätte dies nicht geachtet, <mein Mann aber> wäre mein Mann es zufrieden gewesen; er läßt mich aber nicht von sich, unter keiner Bedingung. Er spricht, kaum haben wir so eine miserable Trennung überstanden, so sollen wir schon wieder an eine Zweite denken! und dann, Robert sagt, es streite sehr gegen sein Gefühl, seine Frau in der Welt herumzuschicken <in der Welt>, während er zu Hause sitzt, und das ist gewiß ein richtiges Gefühl, obgleich ich gewiß gern jedes Opfer brächte, um ihm mit meinem Talente doch auch etwas zu nützen.
|2| So bleibt es denn – vielleicht macht es sich ein ander Mal. Könnte mein Mann mitreisen, so hätten wir freudig eingeschlagen, so aber geht es nicht. Ich schlage Euch dies übrigens mit erleichtertem Herzen ab, da ich weiß, daß Elise in der Baronin Eichthal gewiß einen guten und besseren Schutz genießt, als ich ihr hätte angedeihen lassen können. Ist das die Harfenspielerin?
Elise soll sich wegen des Briefes an Liszt durch Härtels nicht beunruhigen – ich erhielt ganz richtig einen Brief <durch> von Liszt, denn recht wohl erinnere ich mich, wie es mich verwunderte, von Euch einen Brief durch Liszt zu erhalten. Die Arien, die ich Elisen besorgen soll, soll sie mir nennen, da ich nicht im Stande wäre, mich der ni’s und ti’s noch zu entsinnen, die wir Alle von der Shaw gehört. Von Herrn Böhme kann ich ihr gar nichts berichten, da ich ihn nie wieder gesehen seit Ihr von hier fort seid. Mein Brief ist heute entsetzlich schlecht, soll und soll, sind und sind, nichts wie Unschönheiten, das macht aber die Eile, dazu Tapezier, Tischler ect. um mich, daß mir der Kopf brummt.
Deinem lieben Vater meinen herzlichen Dank für seinen Brief, der einen Platz in meinem Brief-Album einnehmen soll.
|3| Nun, meine liebe Emilie, zu Dir. Willst Du mich nicht, so lange Elise noch zu Haus ist auf ein paar Wochen besuchen? denn später kommst Du dann gar nicht fort. Thue es doch; sollten sich Deine Eltern dazu nicht entschließen? Wir führen hier jetzt so ein ruhiges hübsches Leben für uns, sehen Niemanden, als die schöne Natur und mir bleibt wirklich nichts zu wünschen als Dich und meine Mama einmal bei mir zu sehen. Oh bitte, bitte, beste Emilie thue es! Deine Eltern werden Dir doch gewiß auch gern einmal eine Freude machen (ich bin arrogant genug zu glauben, daß es Dir Eine sein würde) die Du das ganze Jahr nur für sie und Deine Geschwister lebst und arbeitest. Hast Du mich lieb, so komm, laß uns recht in Ruhe ein paar Wochen zusammen verleben. Sprich mit Deinen Eltern! vergelte nicht Gleiches mit Gleichem, sondern erfülle meine Bitte, und nun, sey mir geküßt und umarmt. Elisen herzlichste Grüße – ich wünsche ihr Alles Glück, es <f> wird nicht fehlen! sie soll nicht zürnen, ihr erscheinen meine Gründe vielleicht un-<gegründet>┌genügend┐, doch später einmal wird sie sie gewiß vollkommen rechtfertigen.
Adieu! Gruß Deinen lieben Eltern und noch viel Schönes Dir
von Deiner
Clara
Schreibe mir bald.
|4| Fräulein Emilie List.
in
Augsburg.
Fr.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: List, Emilie (962)
Empfangsort: Augsburg
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 8
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie List und anderen Münchner Korrespondenten / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-019-3
173ff.

  Standort/Quelle:*) A-Wgm; s: Slg. Cornides; Abschr. (gek.) in Copien-Mappe Marie Sch.
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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