15.07.2019

Briefe



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ID: 8180 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 28.02.1852
 

Düsseldorf d. 28 Febr. 1852
Verehrtester Herr,
Sie verzeihen gewiß freundlich, wenn ich in meines Mannes Namen einige Zeilen an Sie richte, da Derselbe von einer so starken Erkältung heimgesucht ist, daß er nichts zu thuen im Stande ist.
Sie werden leicht errathen, was die Veranlassung dieser Zeilen ist, und will ich denn auch gleich herausrücken mit der Frage, wie es mit dem Manfred steht? mein Mann hätte so gern eine Antwort, bevor wir hier abreisen! – Wir bekamen nämlich, als man in Leipzig hörte, daß wir nach Weimar wollten, von dort eine Einladung, die wir für die Zeit vom 8–18 März annahmen, weil wir glaubten in dieser Zeit würde auch der Manfred zur Aufführung kommen, nun aber schweigen Sie auf meines Mannes letzte Anfrage und dieß läßt ihn vermuthen, daß vielleicht der Aufführung jetzt noch Hindernisse im Wege stehen; da wir nun aber später hier nicht fort können, so läßt Ihnen, lieber Herr Liszt, mein Mann vorschlagen, ob Sie mit dieser Aufführung nicht bis Anfang nächsten Winters warten wollen? Dann könnte er es einrichten dabei zu sein. Nach Leipzig müssen wir nun aber jedenfalls, und wollten am 5ten März hier abreisen. Recht sehr lieb wäre es dem Robert, wenn Sie ihm bis dahin nur eine Zeile schrieben, ob, wie, wann, was! – Später, vom 8ten an träfe uns eine Nachricht von Ihnen in Leipzig, doch lieber, wenns Ihnen möglich ist, noch hier! –
Viel hören wir von Ihrem regen musikalischen Treiben in Weimar, und, wäre es nur näher, gar manchmal würden Sie uns dann sehen! wie so gern hörten wir einmal den Lohengrin! Wird er nicht vielleicht einmal in der Zeit, wo wir in Leipzig sind, gegeben? Dann kämen wir nach Weimar. – Auch wir sind hier nicht faul! Robert hat neulich „die Pilgerfahrt der Rose“ mit dem enthusiastischsten Beifalle aufgeführt, und soll sie, wenn wir von Leipzig zurückkehren, wiederholen. – Auch ich bin wieder ziemlich fleißig und spiele nächste Woche zum ersten Male nach einjähriger Ruhe wieder öffentlich, und zwar Chopin’s f moll Concert; wie so gern spielte ich auch Ihr Symphonie-Concert, aber es ist doch wirklich gar zu fürchterlich schwer! wo sollen dazu die Kräfte herkommen bei einer Frau! das kann ja überhaupt Niemand spielen, wie Sie. Wie geht es der gnädigen Frau Fürstin? bitte, sagen Sie Ihr meine angelegentlichsten Empfehlungen, wie die meines Mannes. Vielleicht, daß wir Sie beide doch noch bald sehen? Ich vergaß noch Ihnen zu schrei
ben, daß wir uns so eingerichtet haben, daß wir auch vom 20 – 28ten März zur Aufführung des Manfred nach Weimar kommen können; vielleicht können Sie es einrichten, daß er in dieser Zeit gegeben wird? wir würden im entgegengesetzten Falle die ganze Reise eigentlich umsonst machen, denn der Hauptzweck war Weimar – hätten wir in Leipzig nicht zugesagt, so reisten wir gar nicht, bevor wir von Ihnen sichere Nachricht hätten, so aber müssen wir unserem Versprechen in Leipzig nachkommen.
Schließlich bitte ich Sie, lieber Herr Liszt, nochmals recht freundlich um nur ein Wort so bald als möglich.
Mein Robert grüßt Sie recht freundlich, mit ihm ich
Ihre
wahrhaft ergebene
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Liszt, Franz (964)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 177f.
 



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