19.12.2019

Briefe



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ID: 8336 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 31.12.1846
 

Wien d. 31 Dec: 1846
Geehrtester Herr Doctor,
bis jetzt habe ich der Ankunft der Musikalien von Ihnen geharrt, und immer ist noch nichts angekommen. Wie geht das zu? ist es denn wirklich von Leipzig am 6ten Dec. abgegangen? Dann müßte es doch längst hier sein? es ist mir recht fatal, daß ich das Trio nicht bekomme, da ich schon mehrmals so schöne Gelegenheit hatte es zu spielen; täglich frage ich bei Mechetti nach, und immer bekomme ich nein zur Antwort. Macht es viel Kosten, wenn sie mir das Trio direct zuschicken? wo nicht, so bitte ich Sie, lieber Herr Doctor, es mir sogleich zu schicken, denn ich denke mir das Paquet durch Mechetti verloren gegangen. Wegen des Concerts von Henselt schrieben Sie mir, ich solle es nur für mich behalten. Wie haben Sie dies gemeint? ich wünschte es doch, um es hier öffentlich zu spielen, soll ich dies nicht? es war mir nicht eingefallen, daß Sie etwas dagegen haben würden.
Für Ihren freundlichen Brief schönsten Dank – Sie sind der Einzige, der uns mit Nachricht aus unserem lieben Leipzig erfreute – Alle anderen lassen nichts von sich hören, was mich von Livia am meisten verletzt, von der ich solche Vernachlässigung am wenigsten erwartet.
Zwar ist das Gratulieren abgekommen, ich kann es aber doch nicht unterlassen, den Gruß im alten Jahr mit einem neuen zu verbinden, und bitte Sie und Ihre liebe Frau, uns ferner Ihr Wohlwollen zuerhalten. Treten Sie mit Ihrer Familie das neue Jahr recht heiter und vergnügt an! –
Uns geht es recht gut hier, für Concerte ist aber die Zeit sehr ungünstig; das Publikum ist so concertmüde, wie nie, dazu kommt eine große Geldnoth (wie man allgemein sagt), so daß sich die Leute in Allem einschränken. Denken Sie daß ich bei der enthusiastischen Aufnahme die Einzige war, die in ihren Concerten nicht zugesetzt; alle Anderen haben bis jetzt immer zugesetzt – das ist freilich schlimm, wenn man froh sein muß, um auf die Kosten zu kommen. Mein Mann findet hier mit seinen Compositionen die freundlichste Aufnahme. Uebermorgen im 3ten Concert wird seine B dur-Symphonie aufführen – das Orchester ist ganz vortrefflich hier, und mit solchen Mitteln läßt sich schon etwas machen. Auch das Concert spiele ich Uebermorgen.
Nun, lieber Herr Doctor, seyen Sie noch mitsamt Ihrer verehrten Frau von uns Beiden herzlichst gegrüßt. Ich hoffe bald auf Nachricht von Ihnen und zeichne mich wie immer hochachtungsvoll
ergeben
Ihre
Clara Schumann.
Am Bauernmarkt
Kammerhofgasse
Nr. 548,
erster Stock

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Wien
  Empfänger: Härtel, Hermann (617)
Empfänger-Institution: Breitkopf & Härtel
  Empfangsort:
 

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