19.12.2019

Briefe



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ID: 8504 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 09.03.1853
 

Mein lieber Pathe,
Wie geht es Dir? ich hoffe gut. Ich danke Dir sehr für das hübsche Buch was Du mir geschenkt hast. Es hat mir sehr gefallen, ich wußte es aber schon vorher, denn am Morgen kam ein Paket an, und die Adresse war an mich. Ich bitte Dich, mir nicht böse zu sein, das [sic] ich Dir nicht gleich auf Deinen lieben Brief geantwortet habe, ich hatte aber viel Schularbeiten zu machen, und mußte fleißig Clavier spielen. Wir haben einen sehr großen Christbaum gehabt, und ich hoffe daß Ihr auch Einen gehabt habt. Wir haben sehr schöne Sachen bekommen, ich freute mich aber am meisten, als ich dein Buch erblikte. Ich habe noch denselben Abend 7 Sonntage gelesen, und jetzt habe ich es drei mal durch gelesen, und jedes Mal hat es mir besser gefallen gestern habe ich es zum 4ten Male angefangen. Ich grüße Dich sehr, und grüße auch die kleine Henriette von mir, und frage Sie einmal, ob sie sich noch meiner erinnert, wie<> wir in Leipzig waren, und mit ihr in Euren [sic] Garten gespielt haben.
Adieu mein lieber Pathe,
behalte lieb dein [sic] dichliebende
dankbare
Elise.

Düsseldorf den 23 Januar 1853.

Lieber Herr Voigt,
was werden Sie wohl denken, daß meine Elise noch immer nicht gedankt! doch Sie sehen, daß dieser Brief seit 1½ Monaten geschrieben ist, und so lange in meiner Schreibmappe lag, weil ich selbst Ihnen so gern auch einige Zeilen senden wollte. Auch hatte ich gehofft, wir würden Sie bald Selbst sehen, was nun leider nicht erfüllt wird. Sie wissen wohl, daß wir jetzt nach Leipzig kommen sollten, Robert aber befindet sich doch immer noch nicht kräftig genug, so eine Reise, die auf jede Art angreifend ist, zu unternehmen, denn reist man als Künstler, so gehört man der Welt, und kann sich ihr nicht entziehen, aber gerade das, lange und viel mit Menschen verkehren, strengt meinen Mann am meisten an. Sie glauben nicht wie leid es mir thut in so vieler Hinsicht! wie so sehr hätte es mich gefreut, wenn Robert in Leipzig seine neue Ballade „Der Page und die Königstochter“ seine Symphonie in einem Satze (welche neulich hier das ganze Publikum enthusiasmiert hat, was hier viel sagen will) und so Manches Andere aufgeführt hätte! – Haben Sie nicht Lust, zum Rheinischen Musikfest, welches wahrscheinlich Mitte Juni hier statt findet, hierherzukommen? es wird gewiß recht schön werden, und wahrhaftig sollten unsere Leipziger Freunde nicht fehlen. Bertha soll ein wenig zureden, das hilft gewiß! – Von uns im allgemeinen kann ich Ihnen Gutes sagen, wir sind Alle wohl, und Robert hat sich im Ganzen doch sehr erholt. Sie wissen sicher, daß er beinah ein halbes Jahr sehr leidend war – nun, Gott sei Dank, ist es vorüber, und, wie gesagt, er muß sich nur noch etwas schonen, daß er nicht auf einmal zu <V>viel vornimmt.
Schließlich nehmen Sie, geehrter Freund, auch meinen freundlichsten Dank für das schöne Geschenk an meine Elise, und grüßen Sie Ihre liebe Bertha recht herzlich. Auch Robert trägt mir recht Freundliches an Sie Beide auf.
In wahrer Freundschaft
wie immer
Ihre
Clara Schumann.

Düsseldorf d. 9 März 1853.
Verzeihung für meine miserable Feder!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Voigt, Carl (1627)
  Empfangsort: Leipzig
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
131-134
 



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