19.12.2019

Briefe



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ID: 8535 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 02.11.1853
 

Vereehrtester Freund,

kaum, daß Sie uns verlassen, verfolge ich Sie auch schon wieder schrifftlich! für’s Erste lassen Sie Sich nochmals die Hand drücken für All das Schöne, daß Sie uns wieder von Neuem in den letzten Tagen gespendet! zwar ist es jetzt ziemlich Musikstill bei uns, doch haben Sie uns reich an den schönsten Erinnerungen gemacht, und daran erlaben wir uns nun. Wir hoffen, Sie sind wohl in Hannover eingetroffen und gedenken auch unserer zuweilen. Tags darauf, nachdem Sie abgereist waren, kam eine Einladung von Elberfeld an uns Beide, dort eine eben solche Soiree zu geben, wie hier! man wollte uns 200 rh garantieren ect. ect. Ich schrieb es Ihnen nicht, weil ich nicht glaubte, daß Sie jetzt Hannover wieder verlassen würden, auch liegt es fern von mir Ihnen jemals zudringlich erscheinen zu mögen! gestern aber las mein Mann in der Cölner Zeitung daß Sie für den armen Theaterdirector spielen würden, und er in nächster Zeit das Programm bekannt machen wolle. Wäre dieß nun der Fall, so möchte ich Ihnen doch wenigstens die Mittheilung wegen Elberfeld gemacht haben; es würde Sie dieser Abstecher nur einen Tag länger auf. halten, und vielleicht fühlen Sie Sich doch geneigt, es noch einmal mit mir zu versuchen. Doch, bitte, thuen Sie ganz, wie es Ihnen am liebsten – paßt es Ihnen nicht, so lassen wir es. Brahms scheint noch nicht zurück gekehrt, ich glaube auch nicht, daß ihn Frau Teichmann [sic] so gleich wieder fort läßt. Robert ist fleißig – er hat zu der bewußten Sonate noch einen ersten und dritten Satz componirt. Ueberhaupt hat Ihr letzter Aufenthalt hier so erheiternd auf ihn gewirkt, daß ich Ihnen noch ganz besonders dankbar sein muß. Er grüßt Sie in aller herzlichster Verehrung und ich schließe mich ihm an, sowie ich meine Bitte mit seiner vereinige, daß Sie uns recht bald wieder besuchen möchten. Auch wir gehören zu denen Menschen, die, jemehr sie haben, desto mehr sie wünschen! –
Ihre
Clara Schumann.

Düsseldorf d. 2 Nov. 1853

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
92ff
 



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