19.12.2019

Briefe



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ID: 8675 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 13.04.1855
 

Hochverehrte Frau und Freundin,
könnte ich zu Ihnen, und Sie mitsammt Ihrer lieben Tochter umarmen dafür, daß Sie meinen theueren Mann besuchen wollen! das ist herrlich von Ihnen, und Sie erfüllen damit einen Wunsch, den ich längst im Stillen gehegt, Ihnen auszusprechen jedoch nicht wagte. Wie wird er hoch erfreut sein! Es war mir immer recht hart, Sie so nahe zu wissen, und nicht sehen zu können. Wie so gern hätte ich Sie einmal besucht, aber nach Bonn kann ich nicht, als wenn es ist, Ihn zu sehen. Sie fühlen zu tief, als daß Sie mir dies als Schwäche auslegen. Meinen geliebten Mann habe ich auf Ihren Besuch vorbereitet – ich weiß, daß er sich mit dieser Aussicht schon Tage vorher freudig beschäfftigt. Sein Leben ist so einsam, wie Sie wohl denken können. Joachim hat Ihnen wohl von seiner entschiedenen Besserung erzählt! aber welche Zeit! als ich damals mit Ihnen auf dem Balkon stand, Sie mir Muth einsprachen in so herzlichen Worten, wo ich Sie gleich so innig lieben mußte, da dachten wir, ich wenigstens, nicht an solch unendlich lange Zeit! und wer weiß, wie lang es noch währt! – Ist denn gar keine Aussicht, daß wir Sie, wenn Joachim hier, einmal hier sehen? wie wäre das so herrlich – könnte ich doch einmal Sie sehen und sprechen! wie hatte ich mich in Berlin darauf gefreut! Ich bin vor lauter Freude über Sie ganz geschwätzig, und vergesse beinah über der theueren Freundin die hohe Dichterin! verzeihen Sie’s, ich konnte gar nicht anders, und muß Sie und Ihre liebe Gisela noch küssen in innigster Dankbarkeit.
Ihre
Clara Schumann.

Düsseld. d. 13 April 1855

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Arnim, Bettina von (14814)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 17
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1832 bis 1883 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-028-5
61f.
 



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