19.12.2019

Briefe



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ID: 8688 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 19.05.1855
 

Mein lieber Freund,

wie herzlich drücke ich Ihnen die Hand für so Vieles wieder diese Tage! wie sind Sie wieder so freundschaftlich gegen mich, wie haben Sie so Manches Tröstliche gesandt! recht sehr beruhigt bin ich über Manches, nur betrübt mich auf’s Schmerzlichste die geistige Unklarheit in der Sie meinen geliebten Robert gefunden, worauf doch seine Aeußerungen zu deutlich schließen lassen; auch hat er Ihnen gar nichts an mich aufgetragen, und muß doch recht sehr angegriffen gewesen sein! – Wenn ich nach Brühl gehen soll, noch kann ich mich nicht entschließen, denn schrecklich ist mir der Gedanke gerade mit Dr Richarz zusammen zu kommen, weil es mich furchtbar erregen wird, und ich fürchte, der Erregung in Thränen Luft zu machen, was mir doppelt peinlich Fremden, und <gegenüber> nun gar einem abgehärteten Arzte gegenüber ist. Jedoch, es muß sein, meiner eigenen Beruhigung halber. Ich schreibe es Ihnen Morgen genau! wahrscheinlich komme ich Dienstag nach Brühl. Sie schreiben nicht, ob Sie mit Johannes zusammen Robert besuchen dürfen? wahrscheinlich kömmt er aber jedenfalls mit; wegen der Rückfahrt jedoch wäre es mir erwünscht genau zu wissen, damit ich auch weiß, wenn ich Sie und Joh. in Cöln erwarten kann. Sie thuen mir wohl auch die Freundschaft und kommen nach Brühl? ich glaube Ihre und Johannes Nähe giebt mir mehr Muth mit Richarz zusammen zu kommen. So will ich denn lieber gleich den Dienstag festsetzen, und fahre hier um 8 Uhr ab; da bin ich dann wohl gegen 11 Uhr in Brühl? und finde Sie vielleicht? und, welche Freude, könnte ich die tiefverehrte Freundin Bettina mit der theueren Tochter sehen! Es bleibt also dabei; und wollen Sie freundlichst inliegende Zeilen an Dr Richarz per Stadtpost senden. Johannes ist zur Stunde, und studiert fleißig aber schweren Herzens auf den Winter los! er war hoch erfreut über Ihre Briefe! Das Musikfest wird uns Beiden immer fürchterlicher! nun habe ich heute noch für eine englische Familie miethen müssen, die außerdem noch auf meine freundliche Aufnahme rechnen! könnte ich mich vergraben, wüßte ich nur, wie ich’s anfinge! Sie Glücklicher haben doch wenigstens einen guten Grund fortzukommen. Ich bin in einer furchtbaren Aufregung heute, es kommt so Vieles zusammen – Sie könnens auch meinen Zeilen anmerken. Schreiben Sie doch, wie lange Sie noch fern von uns bleiben wollen? sey es <doch> nicht zu lange mehr! doch, ich gönne es Ihnen von Herzen in der Nähe Ihrer herrlichen Freundinnen! Seyn Sie tausendmal gegrüßt mein theuerer Freund von
Ihrer
innig dankenden
Clara Sch.

Düsseld. d. 19 Mai 1855

Wie herrlich war der Roberts Brief an Bettina! danken Sie Ihr herzlichst dafür! haben Sie’s auch schon gethan, für den Brief? vergessen Sie es ja nicht. Nach Bonn möchte ich doch nicht, es ist zu schwer für mich! Ich schreibe direct an Richarz – es ist besser.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
210ff
 



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