19.12.2019

Briefe



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ID: 8702 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 10.06.1855
 

Hochgeehrter Herr,
Ihr freundliches Schreiben habe ich erhalten, und eile, da die Zeit drängt, Ihnen zu antworten. Ich kann nämlich nur vom Donnerstag d. 14 an bis Ende Juni, etwa 14 Tage also nach Detmold kommen, weil ich später nach Ems kommen soll und danach noch andere Reisen vorhabe.
Was Ihre Vorschläge wegen Reise, Wohnung, ect. betrifft, so bin ich ganz einverstanden damit, nur müßte ich noch um Vergütung der Transport-Kosten eines Flügels, den mir Herr Klems zu meiner Benutzung, da ich für meine nächsten Reisen fleißig studieren muß, mitgeben will, ersuchen. Das Honorar aber, hochgeehrter Herr, wäre mir lieber gewesen, hätten Ihre Durchlaucht die Prinzessin es bestimmt. Einestheils kann doch nur pecuniärer Gewinn mich für die Opfer, die mich das Unternehmen kostet, entschädigen, anderntheils fürchte ich wieder Ihrer Durchlaucht unbescheiden zu erscheinen. Erwäge ich nun diese Opfer und die Versäumniß meiner Stunden hier, so kann ich die mir so schmeichelhafte Einladung doch nicht unter einem Honorar von 60 Friedrichsd’or annehmen. Ihre Durchlaucht wünschen doch wohl täglich eine Stunde?
Wollen Sie, hochgeehrter Herr, dieß Ihrer Durchlaucht gütigst mittheilen, und mich bald wissen lassen, ob Höchstdieselben einverstanden? Dann wüßte ich auch gern ob die Prinzessin Werke von Beethoven, Mendelssohn, Chopin ect. besitzen?
Was Ihren gütigen Vorschlag wegen des Speisens betrifft, so zöge ich es allerdings vor das Mittagessen auf meinem Zimmer zu nehmen, denn ich lebe gern einfach, mache gern mein Essen schnell ab, und bin gewohnt nach Tisch zu ruhen, weil ich sonst bei der vielen geistigen Anstrengung, die ich immer habe, nicht ausdauern kann. Noch erlaube ich mir zu erwähnen, daß ich, da ich nie allein reise, eine junge Dame mir zur Begleiterin mitbringen würde, dies jedoch durchaus keine Umstände hinsichtlich der Wohnung machen dürfte; wir würden ein und dasselbe Zimmer bewohnen, und bedürfte es nur eines Bettes mehr.
Falls Ihre Durchlaucht auf meinen Vorschlag eingehen, haben Sie wohl die Güte mich zu benachrichtigen, auf welche Weise ich am besten die Reise mache, ich kann hier nicht genau erfahren, wie weit man auf der Eisenbahn fährt, und ob Postverbindung ist?
Ich sehe einer Antwort von Ihnen, hochgeehrter Herr, entgegen, und bin jeden Tag bereit den Wünschen Ihrer Durchlaucht entgegen zu kommen.
Mich Ihnen hochachtungsvoll empfehlend verbleibe ich
Ihre
ergebenste
Clara Schumann.

Düsseldorf d. 10 Juni. 1855

NB: Sollten Ihre Durchlaucht wünschen, daß ich gleich käme, so wäre es mir erwünscht, erführe ich es per Thelegraph, damit ich einige kleine Vorbereitungen treffen könnte, und dann bei’m Empfang näherer Mittheilungen von Ihnen schon Reisefertig wäre.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
Empfänger: Rivalier von Meysenburg, Carl (13904)
  Empfangsort: Detmold
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
670ff
 



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