19.12.2019

Briefe



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ID: 8723 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 17.07.1855
 

St. Goar d. 17 July 1855

Mein lieber Freund,

wo mögen Sie jetzt herumstreifen? wüßten wir es doch! so gern folgten wir Ihnen im Geiste. Wir, ich meine Johannes und mich! Johannes verließ mich nur einen Tag in Ems, um der geputzten Welt, den Eseln ect. <> und vor allem der L . . . zu entfliehen. Das Concert war brillant, aber schwer, unendlich schwer war das Opfer, daß [sic] ich brachte. Es war mir so lieb daß Ihr Beide nicht dabei waret, denn mich zu sehen, wie ich mich vor einem Bade-Publikum erniedrigen mußte, hätte Euch doch geschmerzt. Genug davon! Wir machen nun eine kleine Fußtour – gestern war’s herrlich, wir wanderten tüchtig zu Fuß, Johannes mit seinem Ränzel! ob Sie das Ihre wohl auch tragen werden? heute gehen wir bis Oberwesel, und so weiter bis (ich hoffe) nach Heidelberg. Baden-Baden habe ich vor der Hand aufgegeben, ich habe zu großen Ekel vor Bade-Publikums. Wüßte ich Sie doch am 24ten irgendwo mit einigen Zeilen zu finden! wohl werden wir Ihrer gedenken, so gern aber fände ich Sie im Geiste an einem bestimmten Orte – es ist überhaupt so ein unbehagliches Gefühl nach einem so lieben Freunde herumirren zu müssen! Tausend Dank, Lieber, für Ihren Brief nach Ems; ein kleiner Trost lag darin, <> zu wenig aber für ein liebendes Herz, doch, so wird’s immer bleiben, bis ich den Theueren erst ganz wieder Mein nennen darf.
Nun, Sie lieber Freund, seyen Sie recht von Herzen gegrüßt in Insbruck, Alles Gute auf die Reise, und lassen Sie von Sich recht bald hören
Ihrer
Cl. Sch.

Wenden Sie um!

Lieber Joseph,

Recht viel möchte ich Dir schreiben, von unsrer schönen Reise, wie sie mir wohlthut u. wie sie mir nöthig war. Du hattest sehr Recht am letzten Tag in Düsseldorf! Wollen wir im Herbst eine Rheintour zusammen machen? Das wäre herrlich! Im nächsten Jahr nach Tyrol zusammen! Ich freue mich auf die Abende wenn Du uns von Tyrol (od. der Schweiz) erzählst, wir denken nämlich noch oft darüber nach wo du wohl hin gehst. Die Andern treiben zum Fortgehen, ich kann dir nur diesen Gruß senden.
In innigster Freundschaft
Dein Johannes.

[Umschlag]
Herrn Concertmeister
Joseph Joachim
aus Hannover.
Innsbruck in
Tyrol.
Poste restante.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: St. Goar
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
220ff
 



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