19.12.2019

Briefe



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ID: 8771 Brieftext


Geschrieben am: Montag 24.12.1855
 

Liebster Joachim,

Alles läßt mich im Stiche; vor drei Wochen schon schrieb ich (oder vielmehr Härtels für mich) nach Paris – ich wollte Ihnen so gern eine Gluck’sche Partitur heute schenken – aber, Nichts kam; da schrieb ich vor einigen Tagen, nach einem anderen Werke, und warte nun wieder darauf. Doch mein Gruß muß fort, daß Sie ihn wenigstens zum ersten Feiertag haben, wenn Sie nicht Selbst noch heute kommen, was doch prächtig wäre! Könnte ich Ihnen doch nur wenigstens einen Baum hinzaubern, damit Sie nur etwas von Weihnachten merkten! Sie lieber einsamer Freund! An uns gedenken Sie doch gewiß heute Abend, wir aber auch an Sie, und Ihre Gesundheit wollen wir trinken, daß Sie es fühlen sollen. Meine Kinder sind von Köln gekommen – recht froh aber kann ich nicht sein, es lastet wie ein schwerer Druck auf mir, so Vieles, Inneres und Aeußeres. Sonnabend Mittag komme ich durch Hannover – ich sehe Sie wohl am Bahnhof. Hätte ich Ihnen doch nur eine kleine Freude heute machen können, wie thut mir das so leid! Kommt man so hintennach geklappert, das ist auch so lahm! Ich bin betrübt, weiß aber doch, daß Sie auch meinen blosen Weihnachtsgruß freundlich empfangen.
Wie immer Ihre
getreue
Clara Sch.

Düsseld. d. 24 Dec. 1855

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
239f.
 



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