19.12.2019

Briefe



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ID: 886 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 11.08.1850
 

[Auszug RSA II/3, S. 240:]

[...] Von meiner Oper [op. 81] haben Sie vielleicht gelesen. [...] Auch von anderen Compositionen viele: zwölf Stücke zu 4 Händen f. Pianoforte [op. 85], mehrere Hefte Gesänge, ein 2tes Trio f. Pfte., Violine u. Violoncell [op. 80], 4 Märsche für das Pfte. [op. 76], Phantasiestücke für Pianoforte und Clarinette [op. 73], dann eine ziemliche Menge Chorsachen. [...]


Theurer Herr,

Wüßte ich nicht, daß Sie es wüßten, wie fleißig ich im letzten Jahre war und wie vielfältig in Anspruch genommen durch das Leben und die Menschen, so würde ich mich vor allem bei Ihnen zu entschuldigen suchen wegen meines langen Schweigens auf so viele freundliche Zeichen Ihrer fortdauernden Theilnahme. Haben Sie Dank dafür! Sie haben Recht; es beglückt, in so großen Entfernungen Herzen zu wißen, die unsern Bestrebungen Aufmerksamkeit schenken. Zwar will ich mich nicht über die Heimath beklagen, wo namentlich in der jüngeren Generation meine Musik Wurzel gefaßt, mir oft sogar unverdiente Ehre geschehen; aber es freut überall die wahrhaftige Theilnahme, und der Beifall eines Einzelnen, der mich recht und ganz versteht, wiegt mir den des großen nachsprechenden Haufens vollkommen auf. Daß der Himmel den schöpferischen Geist in uns immer frisch erhalte, dafür sei ihm immer am wärmsten Dank gesagt. Der irdische Glanz thut es nicht. Von meiner Oper haben Sie vielleicht gelesen. Sie ist noch nicht vollständig zur Geltung gekommen (die Ausführung war eine ziemlich mittelmäßige); mit der Zeit, hoffe ich, werden meine Bestrebungen auch auf diesem, dem dramatischen Felde ihre richtige Würdigung erhalten. Der Clavierauszug wird binnen etwa 6 Wochen erscheinen. Dann sehen Sie sich ihn vielleicht selbst an. Die Ouvertüre ist bereits erschienen. Auch von anderen Compositionen viele: zwölf Stücke zu 4 Händen f. Pianoforte, mehrere Hefte Gesänge, ein 2tes Trio f. Pfte, Violine u. Violoncell [op. 80], 4 Märsche für das Pfte [op.76], Phantasiestücke für Pianoforte u. Clarinette [op. 73], dann eine ziemliche Menge Chorsachen. Von einem „Spanischen Liederspiel“ [op. 74], und dem Adventlied von Rückert für Chor u. Orchester (ein Kirchenstück) [op. 71] schrieb ich Ihnen wohl schon früher.
Sonst sieht es in Deutschland ziemlich still aus. Von Mendelssohn erscheint noch manches Bedeutende aus seinem Nachlaß, namentlich ein herrliches Finale aus seiner Loreley [op. 98], die Musik zum Oedipus [op.93] u. A. Von Gade ist seit seinem Octett nichts Neues erschienen; doch hat er Manches fertig. Als sehr interessant und von poёtischem Geist zeugend wüßte ich nur noch ein Opus I von J. Schäffer unter dem Namen Phantasiestücke.
Daß Ihnen meine „Hausregeln“ zusagten, dachte ich mir wohl. Es sollte mich freuen, wenn Sie sie in Frankreich einschmuggeln könnten.
Schreiben Sie mir bald wieder, wie ich hoffe, so addressiren Sie nach Düsseldorf, wo ich den nächsten Winter vom September an sein werde.
Es grüßt Sie auf das Herzlichste
Ihr ergebener
R. Schumann.


  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Laurens, Jean-Joseph-Bonaventure (915)
  Empfangsort:
 



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