19.12.2019

Briefe



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ID: 8919 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 14.10.1857
 

Berlin d. 14 Octbr. 57.

Lieber Joachim,

es ist mir Alles Recht was Sie beschließen. Ich bin vom 26ten d. M. bis zum 3ten November disponibel. Es handelt sich nun darum, ob mit oder ohne Orchester. Ich meine fürerst ohne, denn das Orchester kostet erstlich 25 rh an die Wittwenkasse, und dafür, daß das Orchester doch gewissermaßen umsonst spielt kommen sie un<>pünktlich in die Probe und verlangen pro Mann ein auch zwei Freibillette für Frauen, Töchter ect. und der Concertgeber <hat> kann eine Stunde vor seinem Concerte das Vergnügen haben die Billette zu seinem Concerte für 10 sg zu kaufen. Ich meine es sey in jedem Falle besser, wir sehen uns erst die jetzigen Verhältnisse selbst an. Also eine Soiree – an meine Schwester schreibe ich heute. Billette müssen gedruckt werden, da ich Keine habe, aber erwähnen Sie doch ja, daß es recht einfache seyen, sonst kosten sie gleich wieder so viel. Am liebsten wäre mir das Concert am 27ten oder 28ten, dann könnten wir noch ein Zweites am 1ten Nov. geben. Wollen Sie auch so freundlich sein bei Fürstenau nach guten Instrumenten Sich zu erkundigen. Mein Vater hat Deren, aber nur mit deutscher Mechanik. Hôtel de Saxe ist der beste Saal, aus Vorsorge aber erwähnen Sie es lieber noch einmal, daß wir diesen Saal wünschen. Nun aber sagen Sie, lieber Joachim mir, ob Sie mich hier abholen wollen? das wäre so schön und mir eine große Freude. Sie finden’s, hoffe ich, gemüthlich bei mir – Ende dieser Woche ziehe ich ein. Bitte vergessen Sie nicht mir ein Wort darüber zu sagen, sonst freue ich mich am Ende vergebens die ganze Zeit. Könnten Sie nicht wenigstens einen ruhigen Tag mir hier schenken? oder Einige vielleicht? Ich weiß nicht, ob Joh. Ihnen schrieb? er überstand sehr glücklich sein Dirigenten-Debüt, und seine Stimme nehme sich ganz „majestätisch“ aus. Wie sehr froh bin ich, daß Alles nach seinem Wunsche geht. Sehr eilig bin ich, daher Verzeihung für meine Schrifft.
Adieu, Sie lieber Freund. Da kommt zu guter letzt noch ein großer Tinten-Klecks darauf! den mußte ich wegschneiden.
Von ganzem Herzen
Ihre
Cl. Sch.

„Dessauer Straße Nro 2, 2ter Stock“ vom Sonnabend an, bis dahin wie früher.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
352f.
 



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