19.12.2019

Briefe



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ID: 9153 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 08.04.1860
 

D. 8. April 1860

Lieber Herr Lewinsky,
haben Sie Dank für Ihre herzlichen Zeilen; kann ich auch nicht alles Schöne, das Sie mir sagen, als gerecht annehmen, so doch das Eine, daß mein ganzes Seyn wirklich die innigste Hingabe an die Kunst beseelt; nachdem der Himmel mir das höchste Glück, meinen theueren Mann, geraubt, ist sie mir Licht und Leben, nur in ihr empfinde ich die süßen Schauer |2| Schauer der Andacht, nur sie schafft mir wirklich glückliche Stunden.
Daß Sie solch Empfinden verstehen mußten, wußte ich an Ihrer eignen Künstlerschaft, und das erfüllte mich mit inniger Freude. Manche Kämpfe werden Ihnen freilich auch noch bevorstehen, wie Jedem der warm und treu der Kunst anhängt, aber eben mit der Treue bekämpft man Alles.
Ich würde mich sehr freuen, Sie noch einmal |3| ein Stündchen bei mir zu sehen, könnte das nicht etwa Dienstag sein? ich habe den Auftrag von General Drahtschmidt Sie für Dienstag Abend 8 Uhr einzuladen – wie wäre es, wenn Sie um 7 Uhr zu mir kämen, und wir dann zusammen dorthin gingen? Ich hoffe Sie sagen Ja.
Mit herzlichem Gruße
Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
Absendeort: Wien
  Empfänger: Lewinsky, Josef (2591)
Empfangsort: Wien
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 4
Briefwechsel Clara Schumanns mit Maria und Richard Fellinger, Anna Franz geb. Wittgenstein, Max Kalbeck und anderen Korrespondenten in Österreich / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Anselm Eber und Thomas Synofzik / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-015-5
690f.
 

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