19.12.2019

Briefe



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ID: 9159 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 08.05.1860
 

Hamburg d. 8 Mai 1860
Liebe Elisabeth,
gewiß haben Sie recht viel gestern an mich gedacht, so muß ich Ihnen denn auch gleich erzählen, daß meine Ueberraschung vollkommen geglückt ist. Der Sonntag Abend war höchst ungemüthlich, wie Sie denken können, aber der Morgen darauf um so gemüthlicher! Joh. freute sich sehr, auch schien Ihm mein Geschenk Vergnügen zu machen. Möchte er doch so liebenswürdig bleiben, wie er es gestern war! er hatte seine Serenade in den drei Tagen 4 händig fix und fertig arrangirt, auch schon binden lassen, und hatte mich damit überraschen wollen – ich sollte sie, wenn ich am Nachmittag des gestrigen Tages ankam auf dem Clavier finden, auch wollte Herr Avé mir das Zimmer mit schönen Blumen geschmückt haben, die ich nun selbst empfing. Wir haben eine reizende Wohnung, und sind sehr gut in dem Hôtel aufgehoben. Ist das Ende wie der Anfang hier, so bereue ich nicht hierher gegangen zu sein. Joachim ist leider nicht gekommen, er wurde am Sonntag Abend vom Könige befohlen. Das that mir recht leid – käme er doch nach, er würde mir Manches erleichtern, eben weil ich Ihn auch sehr lieb habe. Ich möchte Sie bitten, wenn die Kinder kommen sollten, mir darin liegende Manuscripte von Joh. gleich zu schicken – Sie sehen schon seine Handschrift, u. A. Variationen wo unten steht „meiner besten Freundin“ dann Stücke von Mangold (gedruckt) die hätte ich auch gern, auch ein Andante v. Woldemar (geschrieben). Wenn Sie mir wieder schreiben, so bitte ich Sie, legen Sie in den Brief ein ganz kleines goldnes Schlüsselchen, welches Sie in meinem grünen Schlüsselkästchen im Schreibtisch oben links finden, hinein, ich habe es vergessen, und brauche es nöthig – es ist so klein, daß Sie es getrost in den Brief legen können, ohne daß man es merkt. Die Mutter macht mir viel Kopfzerbrechen! wollen Sie beifolgende Zeilen ihr schicken. Ich schreibe ihr einstweilen, daß, wenn sie sich eine Zerstreuung schaffen will, ich gern thue, was ich kann. Was für Nachricht haben Sie wegen des Logie? Nun, seyen Sie herzlichst gegrüßt, liebe Elisabeth, küssen Sie meine Kinder Alle, grüßen Sie Ihre Schwester, Steinrück’s und denken freundlich an Ihre treue
Cl. Sch.

Marie grüßt sehr. Schreiben Sie recht bald.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Hamburg
  Empfänger: Werner, Elisabeth (1691)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
631f.
 



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