19.12.2019

Briefe



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ID: 9195 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 29.09.1860
 

Mehlem d. 29 Septbr 60

Lieber Joachim,

schreiben Sie noch nicht an Klengel – ich war gestern in Bonn, und hatte <l> eine lange Unterredung mit Dr Breusing, wo er mir denn so Manches bewilligte, betreffs die körperliche Pflege, und ich, nachdem ich die Bücher der Kinder durchgesehen, und Marie und Elise, die mehr wie ich in Schulwissenschafften wissen, sie examinirt, doch die Ueberzeugung gewinnen mußten, daß sie fleißig sind, und recht Vieles gelernt haben, auch fleißig latein treiben. Breusing versprach mir sie, wenn sie fleißig, bis zu einer der höheren Classen des Gymnasium vorzubereiten, und so will ich es denn noch eine Weile ansehen. Sie bekommen vom 1 Octbr. an auch wöchentlich Turnstunden. Sollten Sie an Klengel schon geschrieben haben, so ist es kein Unglück, es ist vielleicht für später doch gut, nur thut mir dann leid, daß Sie die Mühe gehabt. Ich hoffe bald von Ihnen zu hören. Heute ziehe ich noch auf zwei Tage nach Godesberg zu Wendelstadt’s, dann nach Düsseldorf. Morgen spielen Sie wohl wieder Quartett? in Gedanken bin ich bei Ihnen und mit aller Herzlichkeit.
Ihre
Cl. Sch.

Was ist mit Bargheer? bleibt er jetzt in Hamburg? wohin adressirt man Brief an Ihn? Bitte, bald Ihre Ansicht wegen Laub. Hätten Sie schon an Klengel geschrieben, so wäre es doch wohl besser, Sie schreiben Ihm noch ein paar Zeilen, damit er seine Zeit nicht unnütz opfert, es hat ja noch etwas Zeit, und kann er sich bei Gelegenheit erkundigen, und mir, wenn ich nach Leipzig komme mündlich darüber mittheilen. Haben Sie noch gar nicht geschrieben, so lassen Sie es auch jetzt. Verzeihen Sie das Chaos, ich bin noch mit meinem ganzen Herzen bei meiner Elise, die heute geschieden ist. Es war mir so hart, ich kanns noch gar nicht denken, daß sie nicht mehr bei mir. Es wurde auch Ihr recht schwer. Sie war in letzter Zeit (vielleicht gerade im <>Vorgefühl ihres jetzigen Wirkens) so liebenswürdig und zutraulich geworden, <> daß ich sie doppelt vermissen werde.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Mehlem
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
556f.
 



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