19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 9240 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 16.10.1861
 

Berlin d. 16 Octbr. 1861

Lieber Joachim,

Fürerst herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort -- Felix wird Morgen die erste Stunde bei Herrn Wendt haben; Letzterer war gleich sehr bereitwillig und bot mir an, ihm die Stunden unentgeltlich zu geben, was ich natürlich entschieden aber dankend ablehnte -- jedenfalls war es sehr gut gemeint. Was das Concert betrifft, so können Sie sowohl zum 16ten als auch am 30ten Nov: über mich verfügen, also wie es Ihnen am liebsten! Aber eine Bitte: können Sie nicht Graf Platen um eine Vergütung der Flügelkosten von 10 Thl. bitten - ich bekomme diese jetzt fast überall, da mir sonst ja noch weniger vom Honorar bleibt.
Haben Sie schon an ein Programm gedacht? Welches Concert? C moll v. Beethoven? (das habe ich noch nie gespielt, studiere es jetzt zum ersten Male), Johannes' Concert? oder einmal Mendelssohn? mir ist Alles recht. Gern käme ich zu Ihrem Quartett, kostete es mich nur <die> nicht zu viel - die Reise machte ich wohl gern darum! Nun will ich aber bald nach Hamburg, und muß daher doch etwas sparsam sein. Johannes hat mich so dringend eingeladen, ich habe Ihn so lange nicht gesehen, sehne mich nach Ihm und seinen Sachen, kurz, ich konnte nicht „Nein“ sagen. Die Quartette von Ihm freue ich mich ungeheuer in Hannover von Ihnen u. Joh: zu hören. Er will später mit mir nach Hannover, und dann wohl länger bleiben, so denke ich mir wenigstens. Etwas hoffe ich dann doch mit zu genießen. Nota bene. Sie haben bei mir Capital 600 Thl., und in der Zinsen-Gasse habe ich, nachdem ich eine Eisenbahn- Actie à 200 Thl. verkauft, und dafür 62 Thl. mehr erhielt, und die Auslagen v. 37 Thl. abgezogen, noch 91 Thl. Ich bringe Ihnen einen Zettel mit, worauf Alles genau steht -- ich kann ihn auch gleich beilegen nur weiß ich nicht, ob Sie klug daraus werden. Heben Sie ihn gut auf, ich er- kläre ihn Ihnen später genau. Die Eisenbahn-Actie haben Sie mit 268 Thl. eingekauft, jetzt 267 erhalten, also einen Thaler verloren, aber 3 Jahr hindurch <> 7 Procente Zinsen gehabt, also einen ganz hübschen Gewinnst . Wenn die nächsten Zinsen fällig, will ich Ihnen wieder ein Papier à 100 Thl. kaufen, damit das Geld nicht todt daliegt; oder wollen Sie lieber das Geld haben? das brauchen Sie mir nur zu sagen.
Das leere Plätzchen hier will ich noch zu einem recht
herzlichen Gruß benutzen, Vieles mehr dürfen Sie immer noch zwischen den Zeilen lesen. Ich hoffe heute Gisel zu sehen ---es geht Ihr viel besser.
Adieu, liebster Freund.
Ihre
Cl. Sch.

Ich habe vom heutigen Datum Berlin d. 15 Ocbtr. 1861 ab von Herrn Joseph Joachim in Preuß. Staatspapieren 600 Thaler. Bis dato nahm ich an Zinsen ein wie folgt:
für eine Anhaltsche Eisenbahn-Actie à 200 Thl. von Juli 1858 bis
October 1861 –
45 Thl 15 Sgr
für ein Staats-Papier à 100 Thl (3 Procentig) vom July 1858 bis July
1861 –
10 Thl 15 Sgr
für zwei Papiere à 200 u à 100 Thl (4 ½ Procentig) vom November
1860 bis Octbr 1861
11 Thl 7 Sgr 6 Pf
–––––––––––––
besaß ich also am 15 Octbr. 1861 an Zinsen
66 Thl 7 Sgr 6 Pf
Außerdem habe ich eine Eisenbahn-Actie, welche auf 200 Thl lautete
(mit 268 Thl eingekauft) unter heutigem Datum verkauft à 267 Thl, dagegen ein Staats-Papier à 200 Thl (4 1/2 procentig) eingekauft à 205 Thl 6 pf,
bleiben von der Actie noch übrig 62 Thl
Diese –––––––––––– 62 Thl
noch zu den Zinsen von 66 Thl 7 Sgr 6 Pf.
––––––––––––––––––––––––
beträgt in Summa 128 Thl 7 Sgr 6 Pf.
==================
Auslagen gehabt im Nov. 1860 für Ankauf eines Papiers
von 300 Thl –––– 5 Thl 10 Sgr
Am 9 Septbr. 1861 baar 26 Thl 20 Sgr
Am 13 " " " 5 Thl –––
––––––––––––––––––––––––
Summa 37 Thl –––
37 Thl von 128 Thl 7 Sgr 6 Pf bleiben in der Kasse 91 Thl 7 Sgr 6 Pf.
=================
Berlin am 15 Octbr. 1861
Clara Schumann.

NB. Die Eisenbahn-Actie verkaufte ich, weil sie jetzt so hoch standen, wie seit Jahren nicht; wegen der Unsicherheit wollte ich sie schon vor <> Jahren verkaufen, da sollte ich 200 Thaler haben, das wollte ich natürlich nicht, und wartete es ab, jetzt aber rieth mir Mendelssohn sie zu verkaufen, weil sie kaum mehr steigen, wohl aber fallen dürften.
Cl. Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
628-631
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.