25.02.2022

Briefe



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ID: 9307
Geschrieben am: Mittwoch 24.09.1862
 

Guebwiller im Elsaß d. 24 Septbr. 1862.
Verehrte Freundin,
Sie werden wohl errathen, was mich heute zu Ihnen führt! Darf ich denn allen Ernstes wegen meiner Julie bei Ihnen anfragen? werden Sie den Winter in Dresden bleiben, und haben Sie noch Lust Julie bei Sich aufzunehmen? ich beginne jetzt meine Concertreisen, und kann sie unmöglich unter so ermüdenden und erregenden Verhältnissen bei mir behalten. Marie muß in 8–14 Tagen nach Berlin um für Elise, die von Kreuznach zurückkehrt, ein neues Mädchen einzurichten, und da könnte ich dann Julie mitschicken, Marie brächte sie Ihnen dann selbst. Ich thäte dies natürlich am liebsten selbst, jedoch käme ich vor Mitte Nov. gar nicht vom Rhein zurück, und dann auch noch nicht nach Dresden – wohl erst im Januar. Würden Sie nun aber, im Falle, Sie empfingen Julie gern, daß Ihnen die Last nicht zu groß erschiene, mir die Freundschaft erweisen, Julie als Pensionärin zu betrachten? Sie können wohl denken, daß ich doch nur, vorausgesetzt dessen, überhaupt wieder bei Ihnen anfrage, und verzeihen mir gewiß, daß ich so offen diesen Punct berühre. Was sonst meine Wünsche betreffs der Julie anlangt, so kennen Sie Dieselben; ich wünsche, daß sie still und einfach lebe, mitunter Concerte und Theater (wenn eine gute Oper gegeben wird) besuche, Gesellschaften aber gar nicht, denn sie muß alle Abende um 9½ Uhr zu Bett gehen. Dann wünschte ich verschiedenen Unterricht namentlich in Sprachen so viel Uebung als möglich und alle Wochen einige Heilgymnastik-Stunden.
Darf ich Sie nun bitten, liebe Frau Hübner, mir so bald als möglich eine Antwort zukommen zu lassen? dann schreiben Sie mir, bitte, auch, wie es der lieben Fanny geht? fühlt sie eine bessere Wirkung des Bades? ach, wie wünschte ich Ihr und Ihnen dies! Grüßen Sie sie, sowie Ihren verehrten Mann auf das herzlichste.
Haben Sie Nachsicht mit diesen Zeilen, ich bin aber von dem vielen Arbeiten dieser Tage, s und den tausenderlei Sorgen dazu, ganz angegriffen. Die Zeit wo ich die Winterpläne feststellen, und zugleich das Haus besorgen muß, ist immer eine sehr schwere für mich.
Meine Adresse ist:
„Guebwiller im Elsaß bei Herrn Schlumberger.“
Seyen Sie freundschaftlich gegrüßt von
Ihrer
wahrhaft ergeb
Clara Schumann.

Meine Kinder empfehlen sich Ihrem Wohlwollen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Guebwiller
  Empfänger: Hübner, Julius und Pauline (2459)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
569ff.

  Standort/Quelle:*) D-Zsch, s: 11650-A2
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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