11.04.2023

Briefe



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ID: 9424
Geschrieben am: Montag 04.01.1864
 

Düsseldorf d. 4 Jan. 1864.
Liebe Frau Rieter,
längst lag es mir recht am Herzen Ihnen auf Ihren lieben Brief nach Leipzig einige Worte zu sagen, aber ich war dermaßen in Anspruch genommen, daß es mir wirklich unmöglich war, und ich meine Antwort einstweilen Ihrem Herrn Geschäftsführer sagen mußte. Ihre liebe Tochter traf mich leider in einer solchen Hetze von Geschäften, daß ich kaum Zeit fand einige Worte mit ihr zu sprechen. Ich bitte Sie sehr, daß Sie mir deßhalb nicht zürnen, aber, wahrlich, meine Schuld war’s nicht. |2| Daß es Ihrem armen Manne so schlecht ging, hat mich wahrhaft betrübt, und daß ich ihm bei den Schmerzen, die er wohl aushalten mußte, noch auf seine so freundschaftliche Anfrage mit einem „Nein“ wehe that, wurde mir wahrlich nicht leicht, aber ich habe es mit mehreren Freunden in Leipzig besprochen, und Jeder sagte dasselbe, daß diese Art von Dedication unverständlich sey. Man kann doch keinem Componisten sein eignes Werk widmen, das hat ja keinen Sinn! überlegen Sie das ’mal, liebe Frau Rieter.
Mit Scarlatti, sagen Sie Ihrem Manne, soll er sich nicht betrüben, da Schubert in Leipzig eine Ausgabe schon seit längerer Zeit von diesen Werken verlegt hat<te>, wovon ich |3| keine Ahnung hatte, erst jetzt in Leipzig erfuhr, und er also nur als Nachfolger aufgetreten wäre.
Ich kann nicht diese Zeilen abschließen, ohne Ihnen das Beste für das neue Jahr zu wünschen, die baldige Genesung Ihres armen geprüften Mannes! sagen Sie mir, oder tragen Sie es Kirchner auf, mir zu schreiben, wie es Ihm geht? meine Adresse ist immer sicher hier bei Frl. Rosalie Leser, sie sendet mir alle Briefe, denn sie weiß immer, wo ich bin. Ich rüste jetzt sehr zur Reise nach Rußland – mit recht schwerem Herzen, wie Sie glauben werden, denn es ist kein kleines Unternehmen solche große Reise ohne allen männlichen Schutz, und in solch |4| ein Clima, wenn man, wie ich, soviel an Rheumatismus leidet. Doch, es ist nun einmal beschlossen, und so sey es <> mit des Himmels Schutz.
<> <>Seyen Sie denn mit Ihrem lieben Mann auf das herzlichste gegrüßt, und gedenken Sie auch ferner freundlich
Ihrer
wahrhaft ergebenen
Clara Schumann.
P. S. Ich muß Ihnen noch sagen, daß ich Ihre Tochter sehr munter, blühend aussehend fand, und von ihr hörte, daß es ihr sehr gut auch bei Howard’s gehe.
[Umschlag]
Frau
Rieter-Biedermann.
in
Winterthur
(Schweiz)
Schanzengarten
frei

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Rieter-Biedermann, Louise (14440)
  Empfangsort: Winterthur
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
811ff.

  Standort/Quelle:*) CH-W, s: Ms Sch 115/38;
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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