19.12.2019

Briefe



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ID: 9531 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 25.06.1865 bis: 26.06.1865
 

Bingerbrück d. 25ten Juni 1865.

Lieber, theuerer Joachim,

ich benutze eine halbe Stunde Wartezeit hier Ihnen meine und Mariens innigste Grüße zum 28ten zu senden. Wir werden den Tag in Baden feyern – zugleich unseren Ersten wieder in der Heimath. Möge Ihnen dies neue Jahr der Freuden Neue und Sorgen so wenig wie möglich bringen, vor allem Ihre theuere Ursi wieder ganz sich kräftigen. Könnten wir doch ’mal wieder zusammen in Deutschland diesen uns so ganz besonders lieben Tag verleben! – Wir haben unsere Reise glücklich überstanden; die Seereise war herrlich, das Meer spiegelglatt, der Himmel in einer Sternenpracht, die Einen entzücken mußte, dabei wurde es gar nicht finster. Der Seekrankheit entgingen wir glücklich, aber nicht der gräßlichsten Hitze anderen Tages, die uns wirklich ganz elend machte. – Daß wir Sie in England zurück lassen mußten, machte uns den Abschied recht schwer, und daß man Ihnen von Ihren Sorgen jetzt so gar nichts abnehmen kann! – Nun hoffentlich ist bald Alles wieder gut und das Ende vom Lied recht schön! – Mein Concert in Creuznach soll doch morgen statt finden, und ich fahre sogleich von hier dorthin – Dienstag Abend mit Gott, sind wir in Baden. Sie können denken, wie mir das Herz zittert vor Freude endlich ’mal wieder zu Haus zu sein und mit all meinen Lieben zusammen, machte uns nur nicht Julie so große Sorge! Frau Schlumberger schrieb mir sie <sehr> sey immer sehr leidend gewesen, und ich würde sie sehr verändert finden, – wie betrübt ist das! ich werde diesen Sommer Alles aufbieten sie zu stärken, der Himmel gebe daß es gelinge.
Es pfeift, ich muß fort.

Kreuznach. D. 26ten
Ich konnte gestern nicht mehr schließen, ich denke aber mein Gruß wird Ihnen dennoch zur rechten Zeit, gerade zum Frühstück kommen.
So leben Sie denn wohl mit Ihrer lieben Ursi, dem prächtigen Johannes, und bitte, liebste Ursi, recht bald einige Zeilen, wie es Ihnen Allen geht und wohin Sie gehen?
In innigem treuen Gedenken
Ihre
Clara Schumann.

25./26. Juni 1865
840 Joseph Joachim und seine Familie
Baden Baden, Lichtenthal 14.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Bingerbrück
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
839f.
 

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