19.12.2019

Briefe



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ID: 9539 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 15.09.1865
 

Baden d. 15 Septbr 1865
Lieber Freund,
nur ein Wort des Dankes daß Sie geschrieben haben.
Wir sind alle froh zu wissen, daß es Ihnen wieder besser geht, und Sie gute Pflege haben. Ich würde aber wirklich an Ihrer Stelle in Zukunft solche Mahnzettel nicht mehr über’n Hals kommen lassen, besser leben, wie ein vernünftiger Mensch zu Bett gehen, alle Tage gleich mäßig ein Quantum von 2 Stunden im Walde ablaufen, Abends keinen Thee, aber ein ordentliches Stück Fleisch essen ect. ect. und gewiß geht es Ihnen dann ganz gut! Ich konnte Ihnen neulich in der Hast mit der Sie uns verlassen mußten nicht ’mal noch so recht ordentlich danken für Ihre so freundlichen Aufmerksamkeiten! nehmen Sie hiermit noch herzlichen Händedruck für Alles. Also bis Montag! vergessen Sie nicht die Concertstimmen. Nota bene: Brahms wollte mir ’mal sein altes Trio in der neuen Umarbeitung vorspielen, könnte nicht vielleicht Herr Lindner am Mittwoch Vormittag zu mir kommen? oder, will er lieber am Nachmittag 4 Uhr? bedenken Sie es ’mal.
Addio! halten Sie sich gut und folgsam.
Wie immer Ihre
Clara Schumann

Eilig.

[Nachschrift von Elise Schumann] Einen herzlichen Gruß möchte ich Ihnen auch mitschicken und Ihnen sagen, wie uns Ihr Lebenszeichen heute früh gefreut und beruhigt hat; hoffentlich erweisen sich die Betrachtungen, die Sie den Tag, den Sie im Bett
zubrachten anstellten, nicht als ganz nutzlos und wird mit Ihrer physischen Besserung auch zugleich die moralische eintreten (der Satz ist von Julchen). „Unkraut vergeht nicht“; das hat sich schon oft wahr erwiesen, darum hoffe ich daß wir Sie nächsten Sonntag mit den allbekannten Gerichten hier erwarten dürfen. Lassen Sie Sich nicht zu gut von Ihren Wirthsleuten pflegen, sonst werden wir eifersüchtig; das könnte bei unser Einem leicht gefährlich werden, denn es ist Familienerbsünde. Leben Sie wohl, ich hoffe, der Sauerampfer ist bei der großen Hitze all verdorrt und Alles andere Ihnen schädliche auch.
Ihre Elise.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden - Baden
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
462f.
 



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