19.12.2019

Briefe



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ID: 9541 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 01.08.1865
 

Baden-Baden d. 1 Aug 1865.

Liebe Frau Joachim,

gerade saß ich, um Ihnen zu schreiben, da kam Ihr lieber Brief, und wie der uns freuete, das können Sie wohl denken, eröffnet er uns doch die frohe Aussicht Sie hier zu sehen. Nur stört mich in Ihrem Briefe das „vielleicht“ wogegen der liebe Mann so trostreich schon von „Zimmerwirthen“ spricht. Wie herrlich, daß Sie kommen wollen! Sagen Sie dem Jo, daß wir schon Zimmer finden wollen, sobald wir nur den Tag der Ankunft wissen; wir nehmen dann, denke ich, Wohnung Tageweise, damit Sie sich in keiner Weise genirt fühlen. Gefällt es Ihnen nicht, so bleiben Sie nicht länger als Sie mögen, ich hoffe aber, daß Sie schließlich länger bleiben möchten, als Sie können. Wie wäre es schön könnten Sie die Packerei in Hannover vorher abmachen, und dann hier in aller Ruhe bis in den Herbst hinein bleiben, was Ihnen gewiß behagen würde. Aber freilich, wenn Sie nach Hamburg müssen, so ist Ihre Einrichtung die zweckmäßigste. Sie hätten sich jetzt das Concert nicht aufbürden sollen! – Wie oft, liebste Ursi, haben wir Ihrer Aller gedacht, wie sehr Sie beklagt, daß Sie in England, und an so wenig angenehmen Orten bleiben mußten, denn Ihres Mannes erster Brief klang schon gar nicht sehr freudig, obgleich er versuchte den Ton der Zufriedenheit anzustimmen. Aber, es geht Ihnen nun doch wieder viel besser, nicht wahr? das freut mich herzlich. Johannes ist hier und bleibt auch noch – Sie können denken, wie lieb mir sein Hierseyn ist. Sagen Sie dem Joachim, daß ich jetzt öfter sein Sextett à 4/m mit ihm gespielt habe, und doch ganz erfüllt bin von den Reizen und Feinheiten des Stückes. Wir haben auch öfter die Heinrich und Demetrius Ouvertüren vom lieben Jo gespielt à 2 Claviere – vortrefflich von Johannes arrangirt – und uns an Vielem darin wieder erbaut.
Nun Adieu, meine theueren lieben Freunde!
1000 Grüße von Allen hier, auch von Johannes.
In freudigem Harren Euerer
Euere
Clara Schumann

Scholz u. Frau wollen mich Ende dieser Woche auf einen Tag besuchen – er schrieb mir, er wolle mir gern ein neues Concert von sich zeigen, ehe er nach Italien gehe. Verzeihung für die Flucht dieser Zeilen, die ich aber gern noch zur rechten Zeit nach London hätte. Szarvady’s kommen auch Ende dieser Woche auf 2 Tage, und gehen dann in die Schweiz.
Bitte meine Grüße an Schwager und Schwägerin. Hoffentlich genießen
sie ungetrübtes Elternglück?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Joachim, Amalie (771)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
842ff
 



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