15.07.2019

Briefe



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ID: 9755 Brieftext


Geschrieben am: Montag 09.12.1867
 

Berlin d. 9 Dec. 1867.
Lieber Freund,
eine wahrhaft freudige Begrüßung war mir gestern Ihr lieber Brief, den ich hier fand. Ich drücke Ihnen innigst die Hand dafür, eben so aber auch für den Vorigen. Der Eine wie der Andere zeugten mir von Ihrer innigen Hingebung für meines Mannes Werk, und gerade auch die Zweifel, welche Sie im Ersten aussprachen, konnten mir nur ein Beweis mehr dafür sein, wie sehr Ihnen das Werk am Herzen liegt. Ich bin sehr glücklich über Ihre heutigen Nachrichten; zerstreuen sie auch nicht meine Zweifel an einem allgemeinen Erfolg der Oper, so ist es mir doch immerhin die schönste Genugthuung für ihn meinen Mann, wenn die Musiker und Musik-Freunde zur Erkenntniß dieses Werks kommen – das Publikum, (das nothwendige Uebel) folgt dem doch vielleicht nach und nach, und respectirt mindestens.
Mir ist das Herz so voll! ach, hätte man doch Flügel! Sie können denken, in welchem Sehnen ich am 3ten und gestern nach Karlsruhe gedacht! ich freue mich nur, daß Elise gestern wenigstens dabei sein konnte. Stockh. und ich haben so viel darüber nachgedacht, ob es nicht mit Hülfe zweier Nächte möglich wäre nach Carlsruhe zu kommen, aber weder hätte das mein Körper noch Stockhausens so zartes Organ ertragen, ohne schlimme Folgen. Lieber, bester Levi, wir bitten, flehen, machen Sie, daß wir die Oper nach Weihnachten hören! Ich bin vom 22 Dec. bis 9ten Januar in Frankfurth. Kommen Sie nicht zum Fest? wie gern spräche ich Sie über Vieles! auch über inliegenden Brief, für dessen Uebersendung ich Ihnen herzlichst danke; er giebt mir Vieles zu denken, was ich aber nicht schreiben mag. Jedes Wort in dem Brief athmet Liebe, aber gerade deshalb – !
Von Johannes erzählte ich Ihnen auch gern; er schrieb mir vor einigen Tagen, aber wieder so, daß es mir weh für ihn ums Herz wurde.
Bitte, um ein paar Worte, ich muß dem Redeflusse, dem ich so gern folgte, Einhalt thuen, die Zeit und allerlei Nöthiges mahnt mich.
Leben Sie wohl, grüßen Sie Ihre Freundin, und Dank nochmals von Ihrer freundschaftlich ergeb.
Clara Schumann.

Adresse v. 13–21 Dec. Düsseldorf, Frl. Leser.

Wie ist es denn mit der Schlußdecoration geworden?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 534f.
 

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