15.07.2019

Briefe



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ID: 9833 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 29.12.1868
 

Frankfurt d. 29 Dec. 1868.

Meine theuere Emma,

tausend Dank für Dein liebevolles Gedenken! ich hatte mir schon vorgenommen gehabt, Dich um mein kleines Kalenderchen zu bitten, weil ich es immer gern etwas früher habe, da fand ich es! es ist mir immer so lieb, gerade von Dir – mir schaut immer Dein Liebesblick heraus, Du Gute! und die Stolle hat uns herrlich gemundet, wir hatten auch von einer Solchen vor Weihnachten gesprochen ohne die geringste Hoffnung daß uns das Christkind Eine bescheeren würde. Sey geküßt meine Liebe. Von uns kann ich Dir nur in Kürze erzählen; da ich enorm beschäfftigt bin mit der fortwährenden Correspondenz jetzt mit Holland und England, wohin wir bald abreisen werden. Nach Holland gehen wir schon am 2ten Jan., am 10ten zurück nach Düsseld. dann am 20ten nach London. In Wien ist es mir wieder sehr gut gegangen, nur bin ich selbst gar nicht wohl – die fortwährenden Sorgen machen Einen so schrecklich marode! mit Juliens Gesundheit geht es sehr viel besser, da man erst jetzt das eigentliche Uebel erkannt und sie darnach behandeln konnte, aber dafür habe ich eine andere große Sorge, und auch wieder neue große Sorge um Felix, der durchaus das viele Sitzen und arbeiten nicht erträgt. Ich will ihn vom Gymnasium wegnehmen und privatim unterrichten lassen; bei seiner großen Begabung habe ich nicht zu fürchten, daß es ihm schadet, wenn er etwas weniger Unterricht hat, im Gegentheil, mit der körperlichen Stärkung wird auch sein Geist erfrischt. Es ist doch schrecklich wie unsere jungen Leute jetzt verkehrt erzogen werden! –
Wie geht es Dir wohl, meine liebe Emma? hörte ich doch ’mal von Dir! wie habt Ihr das Fest verlebt? – bei uns verging es so erträglich wie möglich unter den Umständen, daß wir doch nicht zu Haus waren, und vier unserer Lieben fehlten – und das Haupt! –
Leb wohl, meine geliebte Emma! sey geküßt in treuer Liebe von Deiner
alten Clara.

Die Kinder grüßen sehr auch mit mir Louise. Wie geht es Louisen?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Preußer, Emma (1204)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 294ff.
 



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