15.07.2019

Briefe



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ID: 9884 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 08.08.1869
 

Rigi Kaltbad 8/8 69.

Meine theure Emma!

Tausend Dank für Deinen lieben lieben Brief, der wieder einmal recht, wie alle Deine lieben Worte meinem Herzen innig wohl gethan hat. Wie oft denke ich, warum nur die Umstände es so fügen, <>daß <>ich gerade Dich, die meinem Herzen so besonders theuer ist, so selten sehe! Wie sehr habe ich mit dem Gedanken gekämpft, nach Bergtesgaten zu kommen, aber für mich war der Genuß einer kräftigenden Luft die Hauptsache, und so entschied ich mich, wenngleich mit großem Wiederstreben, hierher zu gehen, und will nun 14 Tage bis 3 Wochen bleiben. Hab Dank Du Liebe für Deinen Brief, auch den Juliens; ich hege, nachdem, was sowohl Marmoritto als Julie an inneren Kämpfen durchgemacht, die Hoffnung daß Beide einander beglücken werden, da dies wenigstens für ihre beiderseitige ernste und tiefe Neigung spricht. Er ist ein feiner liebenswürdiger Mann und, was mir lieb ist, nicht zu jung mehr, 37 Jahr alt. Die Hochzeit soll in der ersten Hälfte des Sept. statt finden, nach dieser muß ich dann ernstlich an mein Studium für den Winter gehen. Ich habe die Absicht, ehe ich im Nov. nach Wien gehe, eine kleine Tour mit Frl. Regan (einer reizenden Sängerin, die Dir ganz besonders gefallen wird) zu machen, und denke, dann auch in Dresden ein Conzert zu geben, also doch eine Aussicht, Dich bald, freilich wohl wie immer im Husch, zu sehen. Ich möchte, ich könnte einen Tag incognito für Dich in Dresden sein! Du bist doch jedenfalls Anfang Nov. wieder dort? und wie geht es Carolinen u. Louisen? ist Caroline mit ihrer Kur in Dresden zufrieden? Bitte liebste Emma, sage mir in nächster Zeit einmal wieder ein Wort. Oder, wäre vielleicht gar eine Aussicht, daß Du auf Deiner Rückkehr von Bergtesgaden mir einen Besuch machtest? wie herrlich wäre das von Dir! Du bist mir noch recht viel schuldig, denn Dein Besuch vor’m Jahr war so kurz, daß das Sehnen nur um so größer geworden.
Jetzt leb wohl. Grüße die lieben Deinigen und sei in innigster Liebe umarmt von Deiner Clara.

Meine sichere Adresse ist immer Baden-Baden.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Rigi Kaltbad
  Empfänger: Preußer, Emma (1204)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 299f.
 



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