19.12.2019

Briefe



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ID: 9921 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 23.10.1869
 

Düsseldorf d 23ten Oct. 1869.
Liebe theure Marie
Ihr Brief hat mir eine innige Freude gewährt u antwortete ich Ihnen bis jetzt nicht, so lag es daran, daß ich Ihnen gern eigenhändig danken wollte. Daß ich dies heute auch noch nicht kann sehen Sie, aber verschieben wollte ich diese Zeilen nicht länger, denn bin ich einmal wieder fähig die Hand zu gebrauchen, so beginnen gleich die Concerte, wo mir dann gar keine Zeit bleibt. Ich war so ungeschickt, mir die rechte Hand zu verletzen u büße dieses nun, hoffe aber doch meine Concerte in Berlin nächsten Monat nicht aufgeben zu müssen. Wie gern spräche ich Sie selbst über Vieles, was schriftlich zu weit führt. Könnte ich es irgend einrichten, so besuchte ich Sie wenigstens auf einige Stunden auf der Reise von Berlin nach Braunschweig, wo ich am 9ten Nov. spielen soll. Ich sollte Ihnen dies freilich nicht sagen, denn wie oft schon trug ich mich mit dem Gedanken Sie zu besuchen herum, u konnte ihn doch nicht ausführen; die Sache liegt mir aber doch im Herzen u so plaudere ich sie aus. Meine Julie ist nun in Ihrer neuen Heimath eingerückt. Sie hat Manches recht Schwere zu überwinden, doch schreibt sie, daß die Liebe ihres Mannes ihr All’ dies erleichtere. Hoffentlich erzähle ich Ihnen bald mündlich. Ernst’s Übersiedlung nach Berlin hat mich ganz besonders für seine Eltern gefreut; es ist doch zu hart ein einziges Kind zu haben u dieses kaum ein paar Male alle Jahre zu sehen. Was Sie mir schrieben über seine produzierende Wirksamkeit, so haben Sie mir ganz aus der Seele geschrieben. Auch darüber denke ich, sprechen wir ein Mal. Bald werde ich nun die Ihrigen in Berlin sehen, u hoffe dann von Ernst auch über Ihr Befinden, worüber Sie mir nichts sagen, etwas zu hören. Für heute sein Sie mit Ihrem lieben Manne auf das Herzlichste gegrüßt, auch Marie sendet ihre angelegentlichen Empfehlungen.
In inniger treuer Verehrung
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lichtenstein, Marie, verh. Hoffmeister (2597)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 387ff.
 



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