23.11.2019

Briefe



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ID: 23083 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 01.01.1896 bis: 28.02.1896
 

[Februar 1896. ?]

Liebe Clara,

[...]
Freundlich und wohltuend ist es mir, Dir vom jungen Röntgen zu erzählen. Er gab gestern mit Messchaert sein 2. Konzert und kommt nächstens wieder für ein 3. und 4. Beide haben überaus viel Sympathie und schönsten Erfolg. Messchaert, dessen Stimme gar nicht eigentlich besondern Reiz hat, singt so schlicht und herzlich warm dabei, daß es eine wahre Freude ist. Gestern, die Dichterliebe, war ganz köstlich, namentlich aber auch von R., bei dem jeder Ton, jeder Akkord herauskam, als ob gerade er mit besonderster Liebe angeschlagen würde! Er ist nun überhaupt ein ganz eigner und höchst liebenswerter Mensch. Er ist ein Kind geblieben, so unschuldig, rein, offen, enthusiastisch - und seine geradezu komischen, naiven und - nervösen Manieren kennst Du ja von früher. Er ist auch so sorglos in seinem Gebahren, daß mich nancher[sic] frug, ob er denn eigentlich ernst zu nehmen sei? Und gewiß kann und soll man ihn ernst nehmen! Ich habe mich lange nicht eines Menschen so gefreut!
Unser Wetter hier ist fast immer ganz herrlich - freilich frage ich nicht, ob der Wind aus Nordost oder Südwest weht!
Ich denke heute nach Konzert und Mittag mit Röntgen nach Schönbrunn zu fahren. So ein armer Konzertgeber kriegt nichts zu sehen! Das nächstemal will er seine Schwester aus Leipzig mitbringen und denkt an einige ruhige Tage.
Bei Elise sieht es hoffentlich immer besser aus und bei Dir und Marien gut!

Herzlich grüßend

Dein Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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