25.02.2022

Briefe



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ID: 14065
Geschrieben am: Mittwoch 24.11.1858
 

Pest d. 24. Nov. 58.
Liebe Marie,
zwar sehen Sie nicht meine eigne Handschrift, weil ich meinen Arm so viel als möglich schonen muß, es kommt aber doch von mir, und recht von Herzen betrübt es mich, daß Ihre Augen Sie hinderten Ihren Brief an mich ┌selbst┐ zu vollenden. Danken Sie Ihrer Freundin in meinem Namen, daß sie es that.
Was die Angelegenheit wegen des Vereins betrifft, so muß ich erwäh¬nen, daß ich allerdings gern bereit bin, die Fantasie mit Chor von Beet¬hoven zu spielen, jedoch die Zeit noch gar nicht bestimmen kann, da ich vor der Hand selbst noch nicht weiß wohin mein Weg mich von Wien aus führen wird, |2| ferner bitte ich Sie nicht zu vergessen zu erwähnen, daß ich natürlich nur <S>spielen kann, wenn ich gerade in Dresden bin.
Die Stimmen zum Faust aber kann ich leider nicht schaffen, da Die¬selben bis zum Frühjahr in den Händen des Singvereins in Elberfeld blei¬ben müssen, der das Werk schon seit einem Jahre einstudirt, und im April aufführen will. Ich bin daher sehr der Meinung des Sängers Fluch zu nehmen; das macht weniger Mühe, und ist auch kürzer.
Mir geht es soweit leidlich, nur muß ich immer daran denken, meine Hände zu schonen, was mir schwer |3| wird. Ich habe in Wien meines Mannes Conzert mit großem Erfolge gespielt, eben so hier ein Conzert gegeben, worin ich zwei Sachen von Ihm wiederholen mußte. Nächsten Sonntag ist das zweite Conzert in dem Mad. Viardot singen und mit mir die Variationen meines Mannes für zwei Claviere spielen wird. Ist das nicht hübsch? Das ist so ziemlich Alles was ich Ihnen von mir jetzt mitt¬heilen könnte.
Noch einmal auf die Vereinssache zu kommen, bitte ich Sie, so wie Herrn Bartheldes, dabei zu bleiben, daß ich von Seiten des Vereins zu spielen gebeten worden bin.
|4| Sobald ich selbst eine Ahnung habe, wann ich nach Dresden kommen werde, theile ich es Ihnen gleich mit.
So lange leben Sie denn wohl. Gott gebe Ihnen Besserung Ihrer Au¬gen und – Muth.
Seien Sie herzlichst gegrüßt
von Ihrer
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Pest
  Empfänger: Lindeman, Marie von (2605)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1225-1227

  Standort/Quelle:*) D-Dl, s: Mscr. Dresd. App. 16, Nr. 41
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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