19.12.2019

Briefe



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ID: 23348 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 09.12.1888
 

Frankfurt, den 9. Dezember 1888.

Lieber Johannes,

nach Deiner Karte dürfte ich also die Sonate noch behalten? Gestern abend habe ich sie einer großen Anzahl von Musikern bei mir vorgespielt, und alle waren sie begeistert, doch niemand kann solche Wonne empfunden haben als ich, doppelt, erstens durch das Werk, dann das beglückende Gefühl, sie spielen zu können, denn tags zuvor bekam ich wieder solche Schmerzen in den Schultern, daß ich fürchtete, absagen zu müssen. Ich glaube, es war die Angst davor, daß ich am Ende nicht spielen könnte, die mir die Schmerzen verursachte. Blieb mir etwas zu wünschen, so war es Joachim, das war freilich - viel!.... Nun, ich hoffe, bald wird mir der Genuß, sie mit J. zu spielen, und darauf freue ich mich schon bei jedem Gedanken an die Sonate.... Könnte ich Dir nur über alles schreiben, aber bald sehe ich Dich ja, und mündlich tut's sich so viel besser und ohne Armschmerzen! Ich warte auf Deine Antwort wegen Deiner Hierherkunft und Museum.

Es wäre ja herrlich, dirigiertest Du einmal Deine Dmoll-Symphonie hier, bitte, tue es doch! Und nun adieu! Soll ich den liebenswürdigen Komponisten noch loben - das versteht sich ja von selbst! -

Deine alte

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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